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BISMARCK-NATIONAL-DENKMAL o WETTBEWERB
können wir uns hier kurz dahin fassen, daß die Anlage im wesentlichen in zwei Teile zerfällt,in den nach dem Rhein hin sich wendenden Festraum (Andachtsraum) und in den durcheine tiefe Schlucht davon getrennten Festplatz. Die 19 Meter hohe Bismarckfigur findet aufder Terrasse des Festraums Aufstellung, bleibt aber vom Festplatz aus sichtbar. Der Festraumbeansprucht etwa 60 :80 Meter Grundfläche bei einer Mauerhöhe von rund 38 Meter. DerFestplatz aber ist wesentlich größer.
Brantzky, Thiersch und Ebhardt haben zweifellos das Empfinden vieler Deutschen ge-troffen, wenn sie für ein Bismarckdenkmal deutsche Formen, ja deutschen Burgencharakterverlangen. Und doch läßt sich auch die Anschauung verteidigen, daß es vor allem auf Adelund Größe des Bauwerkes ankommt, wenn dem Genius des Fürsten Bismarck gehuldigt werdensoll. Feierliche Stimmung, stille Andacht weckt auch in deutschen Herzen heute noch derklassische Tempel, die griechische Säulenhalle. So — als Stimmungserreger, dürfen siezur Gestaltung eines Bismarck-Nationaldenkmales wohl herangezogen werden. Sind dochParthenon und Propyläen heute Allgemeinbesitz der Menschheit, höchstes ideales Gut allervornehm Empfindenden geworden, Ausdruck des Besten und Erhabensten.
So krönt z. B. P. Bonnatz, Stuttgart, die Elisenhöhe mit einem langgestreckten Säulen-hallenbau, aus dem nach dem Rhein hin ein nur wenig erhöhter Mittelbau vorspringt, dereinen kleinen Hof mit einer 9 Meter hohen Sitzfigur Bismarcks umschließt (Nr. 183, Motto:„Unter freiem Himmel", Taf. 33, Fig. 52). Aus dem Erläuterungsberichte sei hierangeführt: „Der Versuch, durch eine große Treppenanlage die Denkmalterrasse mit der50 Meter darunter liegenden Zufahrtsstraße zu verbinden, wurde wieder aufgegeben, da jedeTreppe das Denkmal in zu nahe Beziehung zu dem profanen Vordergrund setzt. Auch derVersuch, den Steinbruch zu einer monumentalen Wand mit Kolossalfigur auszubilden, mußteaus ähnlichen Erwägungen fallen gelassen werden. Die ruhig ansteigende Berglinie verlangterstens, daß die ganze Denkmalanlage ohne Veränderung des Berghanges sich auf der Höheentwickeln muß und zweitens wird als Kontrastwirkung zu den romantischen Ritterburgen einehorizontale Baumasse jeder vertikalen Bildung vorzuziehen sein." (Taf. 34, Fig. 53.)
Aus ganz ähnlichen Erwägungen kam Ulfert Janssen (Nr. 182, Motto: „In trinitaterobur") zu streng rechteckigem Grundriß und einfachem horizontalem Abschluß, zu dreifachenSäulenreihen, die den Bismarck-Altar umschließen (Taf. 34, Fig. 54). Auch P. Birkenholzund F. Lommel, beide in München, bevorzugen schwere dorische Kolonnaden (Nr. 63,Motto: „St. Michael", Taf. 35, Fig. 55) für ihren, dem gewaltigen Festplatz vorgelagerten Fest-säulenhof (Höhe der Säulenhalle 25 Meter, großer Durchmesser des Festplatzes rund 400 Meter).Bühring und Schellhorn (Nr. 131, Motto: „Festplatz der Deutschen") steigern dieAnlage, indem sie vor den durch Arkaden umrahmten Festplatz auf reich skulpiertem Sockel einengroßen Säulenhof vorlegen, dessen vier Eckbauten turmartig ausgebildet sind (Taf. 35, Fig. 56,Abb. 22). Große Treppen führen beiderseits nach vorne zu einer im Halbrund vorspringendenTerrasse, die von großen Reiterfiguren flankiert ist. Alles das in schweren dorischen Formen.Die höchste hellenische Grazie aber lebt im Entwurf von Rudolf Bosselt wieder auf, derzart, fast zu zart und entsagend, aus einfacher Pfeilerhalle einen streng geometrisch geordnetenSaalbau aufsteigen läßt, vor dem zwei Berittene auf hohen Sockeln Wacht halten (Nr. 125,Motto: „Ein Haus will ich bauen"). Leider kommen solche streng hellenischen Entwürfezwischen so viel kraftstrotzenden Projekten nicht recht zur Wirkung (Taf. 36, Fig. 58).
Das gilt wohl auch für Ludwig Cauer, Berlin, der in seinem Nationalfestplatz absicht-lich auf alles Verblüffende und Ueberraschende verzichten wollte (Nr. 138, Motto: „National-festplatz I und II", Taf. 36, Fig. 57). Auch mit der Person Bismarcks will er keinedekorative Wirkung erzielen, ebensowenig den herrlichen Blick von der Elisenhöhe verbauen.Nach seinem Vorschlage soll die Landschaft möglichst unberührt bleiben. Es soll auf derBergterrasse ein schlichter klassischer Bau aufragen, vor dem ein Festspielplatz für vieleTausende sich ausbreitet. Oder er möchte eine 20 Meter hohe Bronzefigur eines reitendenJünglings auf hohem Sockel errichten. Dahinter soll ein kleiner Festbau den Einlaß zum