BISMARCK-NATIONAL-DENKMAL g WETTBEWERB 27
Wandungen des Denkmals. An den Konsolsteinen könnten Kranzspenden aufgehängt werden.
Ein sprudelnder Quell in dieser Steinhalle wäre ein Symbol der nie versiegenden deutschen
Volkskraft." Material: Unterbau Granit, aufgehendes Mauerwerk und Dach Muschelkalk.
Der Architekt Bestelmeyer hat auch den Entwurf „Steinwacht" geschaffen, der etwa
eine Fortbildung des zuvor erwähnten genannt werden könnte. Als Mitarbeiter erscheint hier
ein bekannter jüngerer Münchener Bildhauer,Georg Albertshofer (Entwurf Nr. 188,Abb. 9, Taf. 2, Fig. 3). Die Grundform istwieder ein Rundbau mit Kegeldach und Adler-bekrönung. Um den Zentralbau schließt sicheine Bogenstellung, die einigermaßen die Er-innerung an das Theodorichgrab zu Ravennaerwecken könnte, wenn nicht im Gegensatze zuRavenna Zentralbau und Umgang fast gleicheHöhe hätten und wenn nicht ein Kegeldachan Stelle der flachen Schale von Ravennahier träte. So schrumpft die mehrfach betonteAehnlichkeit denn einfach darauf zusammen,daß ein Umgang von weitgespannten mäch-tigen Bogen um einen Zentralraum gelegt ist,dessen kräftige Schatten das Denkmal in derLandschaft stärker zur Geltung bringen. Aller-dings wird vom Bildhauer dafür mehr Ent-sagung gefordert, da seine Reliefs zum Teilstark beschattet bleiben. Das Protokoll wendetgegen diesen Entwurf ein: Ernste, geschmack-volle Arbeit, die aber zu sehr an das antikeGrab erinnert.
Gemeinsam ist diesen drei Entwürfender Gedanke, Bismarck nicht mit gemeinerDeutlichkeit gleichsam als Naturabguß zuprofanieren, sondern die Erinnerung an dengroßen Deutschen mehr symbolisch zu geben,weniger den Menschen als sein Werk zu ver-
Abb. 9. Steinwacht (Nr. 188).
German Bestelmeyer, Dresden, und Georg Albertshofer,München.
herrlichen. Es scheint, daß diese Auffassung zurzeit wenig Gegenliebe findet. Vielleicht erkennenzukünftige Generationen sie als wohlberechtigt an.
Bestelmeyer und Hahn haben aber auch rein formal betrachtet mit ihrem Siegfried-Dolmen einen Typus gegeben, der im übrigen Wettbewerb sich noch oft wiederholt. Beweisgenug dafür, daß es sich nicht um eine zufällige Laune, sondern um eine dem modernenKünstler naheliegende Lösung handelt.
Sie alle behaupten, daß der schlichte Steinkreis mit seinem leichten, durchbrochenenAufbau in die Natur sich zwangloser einfügt als trotzige Türme, von denen ohnedies so vieledie Rheinufer säumen. So ist auch der dritte Preis von Otho Orlando Kurz undB. B1 e e k e r (Nr. 56, Taf. 3, Fig. 4, 5) eine Variante derselben Melodie. Kurz und Bleeker betonen,ganz wie Hahn und Bestelmeyer, daß das Mythische in Bismarcks Persönlichkeit im Laufe derJahrhunderte immer mehr hervortreten wird, und daß sein Denkmal daher nicht an die äußerePerson, sondern an den poetischen Gehalt seiner Erscheinung anknüpfen sollte. Je wenigerfigürlicher Schmuck zur Anwendung kommt, desto freier kann die Phantasie des Menschensich betätigen. Auf dem leicht aus dem Rhein heraussteigenden Hügel soll „wie eine ge-waltige Krone auf dem menschlichen Haupt" der „Doppelkreis schlichter dorischer Säulen"mit ihrem Gebälk sich erheben. Im Innern des Rundbaues nichts als eine große Bronzeschale,
B