n^a*v3ii3
26
BISMARCK-NATIONAL-DENKMAL □ WETTBEWERB
Unter den eingesandten Arbeiten entsprach allen diesen Forderungen nach Meinungder Preisrichter in erster Linie der Entwurf „S i egfri e d-Dolm en" von Bildhauer HermannHahn, München, und Architekt German Bestelmeyer, Dresden (Nr. 189, Taf. 1,Fig. 1; Taf. 2, Fig. 2). Darum und um seiner hohen künstlerischen Qualitäten willen erhielter den ersten Preis. Ein Kranz von Steinpfeilern umschließt eine Gruppe von Lindenbäumenund zwischen ihnen ein kleines Wasserbecken. In diesem spiegelt sich eine Statue Jung-Siegfrieds. „Das Denkmal ist gedacht als eine nationale Wallfahrtsstätte. Es gilt weniger, diePersönlichkeit des großen Mannes vor Augen zu führen, nach welchem das Denkmal benanntwerden soll, als sein Werk. Hier soll sein Geist zu spüren sein und der Segen, den er demdeutschen Volke gebracht hat. Aus diesem Grunde sollte es den Stempel eines frohen Fest-platzes haben, frei und leicht sich dem Gelände als Bekrönung einfügen, von der aus man dieschönste Stelle des deutschen Rheines überblickt, umflutet von Licht und Luft, umrauscht vonden Blättern der Linden. Bismarck als Befreier des Volkes von fremdem Wesen soll verkörpertsein in Jung-Siegfried, dieser Licht- und Kraftgestalt der deutschen Sage, die am Rheingeboren wurde. Die Segnungen und Förderungen, die Bismarcks Wirken dem deutschen Volkerrungen, sind angedeutet in den 18 Reliefs der Pfeiler. Seine Aussprüche sollen als „eherne"Worte eingemeißelt sein und zugleich eine künstlerische Wirkung als Ornament erfüllen."Zu diesen von Hahn und Bestelmeyer gegebenen Erläuterungen sei aus ihrem Kosten-anschlage noch hinzugefügt, daß sie die Ausführung in dem dauerhaftesten Material, inGranit, planen. Nicht nach übertriebener Größe, sondern nach bester Qualität der Arbeitund des Materials streben sie. Auch bei niedrigster Veranschlagung würden die Steinmetz-arbeiten sich auf mindestens 700000 Mk. belaufen. Denn der Stein soll nicht in kleinenQuadern, sondern in gewaltigen Blöcken versetzt werden, die doch noch einen dem Augeverständlichen Maßstab behalten. Granitsockel, Granitstufen, Granitplattenbelag, Granitpfeilervon rund 8 Meter Höhe, die aus je zwei oder drei Blöcken bestehen. Sie würden demBeschauer den Begriff urwüchsiger bismärckischer Größe beibringen, ohne daß man das Denkmalselbst übergroß gestalten müßte.
Für den Fall, daß das deutsche Volk sich mit dieser rein idealen Lösung nicht zubefreunden vermag, nicht nur Bismarcks Geist, sondern Bismarcks Körper dargestellt sehenwill, schlagen Hahn und Bestelmeyer vor, das Denkmal nach der Bergseite hin zu erweiternund dort als Abschluß des Festplatzes ein großes Bismarck-Reiterrelief anzubringen.
Bestelmeyer und Hahn haben gemeinsam noch einen zweiten Entwurf unter demMotto : „Einherier" gegeben (Nr. 187, Abb. 8). Hier tritt an Stelle der offenen Pfeilerstellung ein
geschlossener Rundbau mit kegelförmigemDach. Das Aeußere wird durch flache Pfeilergegliedert, die Wandflächen mit Reliefs ge-schmückt. So ist dem Bildhauer reichsteEntfaltung seiner Tätigkeit gesichert. DerErläuterungsbericht bemerkt: „Der Entwurfstrebt eine einfache klare Silhouette an, diesich zwanglos in die Natur einfügt. DieFernwirkung wird durch die Schattenwirkungder stark hervortretenden Figurenpfeiler er-höht. Bismarcks soll durch eine Kolossal-maske seines Kopfes über dem Portal gedachtsein. Im übrigen will das Denkmal in ersterLinie das Wahrzeichen des Werkes Bismarckssein, der Einigung des Reiches und der Wohlfahrt seiner Bevölkerung. Dieser Gedanke wirdversinnbildlicht durch den Reichsadler, der den ganzen Bau schirmend bekrönt, sowie durchdie Gestalten der Erwerbsstände unseres Volkes. Die Wahrheiten Bismarckscher Aussprüchesollen dem Volke dauernd vor Augen geführt werden durch Einmeißelung in die Außen-
=^^
Abb. 8. Einherier.
German Bestelmeyer, Dresden, und Herrn. Hahn, München.