374 Tagebuch des Reinhart Noltz.
dasz wir zu Wien lagen in die vierte woch des königs wartende, want a sichniemandts unser Handel im kon. hofc annemen wolt, die konigl. raay. weredann zugegen. Also lag auch daselbst unser widerteil, der bischoiT ß] vonWorms, der dan in eigner person daselbst erschiene, auch sonderlichen ge-5 sandt was in kon. hof von dem pfaltzgrafen, des cantzlcr er was 1 , zubegengnus der kon. may., die kurtz davor gestorben was 2 , als du hie ge-druckt findest, wie und von wem, und uf welchen tag solche begengnusgeschehen ist. Aber in Sonderheit solstu wiszen, dasz ich Rcinhart Noltzuf derselben begengnus mit minem herren und gesellen als von rat und stat
10 wegen von Worms erlich gestalt wurden und auch in eignen personen zuopfer [7] giengen in unser Ordnung, wie sich gebüret, und wurden wir oballe stedte, so da waren, die furdersten und glich nach den fursten unterder kon. may. und uff derselben siten gestalt 3 , und nach dem begengnus,da dan wir und so nahe hiebey im kon. hof, dasz wir, nemlich der statt-
15 schriber und ich, wante unser alter herr und gesell kranck worden was, wirzwen by die könig. may. in eigner person in sin schlafkammer quamen,darin wir funden die gesandten ratfrunde von Nurenberg und etliche [8] anderefursten und herren. Aber wir erlangten uf dasselb mal ein gnedige in aignerperson der kon. may. verhörung und nach unser Werbung gar trostlichen
20 und gnediglichen abscheid.
Nov. Den november lagen wir gantz zu Wien, also dasz ich von demselben
wetters halb in diesen ort nicht schriben kunte, dann uff st. Martins tag
wurden burgermeister Heinrich Michel 4 und Johann Eberbach * und besatzten
den rat daselb jar doctor Pleningcr, was vicarius des bischofs zu Worms 6 ,
25 der um die selb zit [9] by uns zu Wien lag, und alz ich desselben mals mitandern minen mitscheffen zum burgermeister vorgeben was von den sech-zehen und mich auch Heinrich Michel gern zum gesellen gehabt hette, genoszich die botschaft, darum ich in Ostreich in konigl. hof gesandt ward, daszder bischof befohlen hette, sich zu übersehen, alsz auch geschähe. Und
30 bald nach Martini quam der bischof zu mir und dem statschriber, als wirze b winterszit 0 zu Wien lagen, und fragte d , ob wir wüsten, wer unser burger-meister weren, sagten wir, [10] dasz unser einer wohl wissend were, aberder ander von sechzehen nit; also sagt er unserm statschriber, wieviel tetungum mich Reinhart Noltz gewesen were uf sanet Martins tag des amts halber,
35 wante etliche wolten mich haben und die andern nit. Des erschracke ichfast, wante ich wol wuszte, dasz vor im oder sinem befehl solch disputals
a ) IIa. want er sich — annähme wolt. b ) IIa. ye. °) IIa. winderseit.
d ) Ha. sahen.
1 s. Morneweg l. c. p. 152 f. s 19. Aug. 1493. ' Das feierliche Leichcn-
4o begängniss des Kaisers fand am 6. Dez. statt. Laut Müller, Beichstagstheatrum Maxi-milians I, 196 waren ausser Worms noch Nürnberg, Ulm, Augsburg und Konstansvertreten. Acta Worm. I, fol.30: dabcy waren die unsern die eltisten in ordenungder stette und hetten den ersten standt der stetten, als davon im pergamenenbuch eygentlich beschrieben steet; das ward ine zu grossen eren bey menglich45 gehalten etc. * In andern Schrißstücken Myhel genannt. • Heisst auch
Eberbecher. Zorn p. 199 nennt dagegen fälsclüich: Hans Baumann und Johann Wölfge.' Dr. Dietrich von Pleningen; über ihn und seinen Bruder Johannes vgl. Mornewegl. c. passim.