XXXVI Einleitung.
Homo novus. Adam war aus dem Dorfe Schwegcnheim unterhalb Germers-heim gebürtig. Er hatte die Hechte studiert l ; seit dem Jahre 1487 findenwir ihn als Unterschreiber im Dienste der Stadt Worms, s. u. p. 5(>2 Note 1.Er bewies sich als brauchbarer Mann und der Rat benützte ihn zu diplo-matischen Sendungen. Nach dem Tode des Stadtschreibers Andreas Pauli1492 rückte er in dessen Stelle ein, gegen den Wunsch, der Mutter undSchwägerin des Bischofs Johannes von Dalberg, die ihren alten DienerAnthonio für diesen Posten empfohlen hatten. Der Stadtschreiber (Protho-notarius) war der wichtigste Beamte in der städtischen Verwaltung, nichtblofs der Chef der Kanzlei und der Protokollführer des Rats, sondern derVertrauensmann der Regierung, recht eigentlich die Seele der städtischenVerwaltung, durch dessen Hände alle Fäden liefen und der in seinerPerson die Kontinuität der städtischen Politik bildete. Denn die Hürger-meistcr wechselten alle Jahre und die Mehrzahl der von der Gemeindegewählten XVI, obwohl faktisch lebenslänglich, war doch nicht in derLage sich eingehend mit den Angelegenheiten der Stadt beschäftigen zukönnen. Adam war als geschickter Diplomat dem Rate unentbehrlich;er lebte eigentlich mehr aufserhalb der Stadt als in Worms, fast beständigzu Pferde begleitete er den König Maximilian auf seinen Fahrten imReiche; bald finden wir ihn in den Niederlanden, dann auf den Reichs-tagen, die sich seit 1495 Jahr für Jahr folgten; er reist dem Könignach Italien nach und ist Zeuge von dessen Niederlagen, dann folgt erihm nach Hochburgund; er heftete sich gleichsam an seine Fersen, umvom König einen günstigen Entscheid für die Stadt zu erlangen und dieAnsehläge der Gegner zu hintertreiben. Mit ihm eng verbunden, in derpolitischen Richtung und Feindschaft gegen das Pfaffentum vollständigmit ihm einverstanden, wirkte sein Freund und Vorgesetzter MeisterReinhart Noltz. Auch Noltz war kein Alteingeborner. 1482 erscheintin den Urkunden der gelehrte Meister lohannes Noltz 2 ; ob dieser einVerwandter unseres Reinharts war, wissen wir nicht. Reinhart wirdals Sohn des Henchonis des reichen hafners bezeichnet*, er stammtealso aus einer Handwerkerfamilie, studierte in Heidelberg, wo er am26. August 1471 in die Matrikel der Artistenfakultät eingetragen ist*,und verUefa mit dem Titel eines Magister artium (unserm heutigenDr. phil. entsprechend) die Universität. Der akademische Grad hobdamals auch einen niedrig geborenen Mann weit über seinen Standempor 5 . Als reicher Mann erlangte er Zutritt zu der vornehmen Ge-sellschaft der Münzer oder Hausgenossen; dadurch wurde er den Ge-
1 In der Heidelberger Matrikel ist er nicht eingetragen; der Adum de Schwechen-heim, G. Töpke, Die Matrikel der Universität Heidelberg I, 584 ist vielleicht sein Sohn.
5 St.-A. W. rvr. 546. 551. 3 s. u. j). 602 Note 1. * s. Töpke, H. Matrikel I, 334.
6 s. den Zorn des Verfassers der Zimmerschen Chronik I, 503.