x- io6 *
bleich, richtete sich zur Hälfte auf und saß, auf einen Arm ge-stützt, mehrere Minuten lang unbeweglich, mit verwirrtemHaar und dunkelnden Augen. Dann stand er vollends auf undentfernte sich langsam. Man rief ihn, anfänglich munter, dannbänglich und bittend; er hörte nicht. Der Schwarze, den Reueüber seine Ausschreitung sogleich erfaßt haben mochte, holteihn ein und suchte ihn zu versöhnen. Eine Schulterbewegungwies ihn zurück. Tadzio ging schräg hinunter zum Wasser. Erwar barfuß und trug seinen gestreiften Leinenanzug mit roterSchleife.
Am Rande der Flut verweilte er sich, gesenkten Hauptes,mit einer Fußspitze Figuren im feuchten Sande zeichnend, undging dann in die seichte Yorsee, die an ihrer tiefsten Stelle nochnicht seine Knie benetzte, durchschritt sie, lässig vordringend,und gelangte zur Sandbank. Dort stand er einen Augenblick,das Gesicht der Weite zugekehrt, und begann hierauf, die langeund schmale Strecke entblößten Grundes nach links hin lang-sam abzuschreiten. Vom Festlande geschieden durch breiteWasser, geschieden von den Genossen durch stolze Laune,wandelte er, eine höchst abgesonderte und verbindungsloseErscheinung, mit flatterndem Haar dort draußen im Meere,im Winde, vorm Nebelhaft-Grenzenlosen. Abermals blieb erzur Ausschau stehen. Und plötzlich, wie unter einer Erinne-rung, einem Impuls, wandte er den Oberkörper, eine Hand inder Hüfte, in schöner Drehung aus seiner Grundpositur undblickte über die Schulter zum Ufer. Der Schauende dort saß,wie er einst gesessen, als zuerst, von jener Schwelle zurück-gesandt, dieser dämmergraue Blick dem seinen begegnet war.Sein Haupt war an der Lehne des Stuhles langsam der Be-