Labyrinths nach sonderbarer Übereinkunft beantwortet. Auskleinen, hochliegenden Gärten hingenBlütendolden, weiß undpurpurn, nach Mandeln duftend, über morsches Gemäuer.Arabische Fensterumrahmungen bildeten sich imTrübenab.Die Marmorstnfen einer Kirche stiegen in die Flut; ein Bett-ler, darauf kauernd, sein Elend beteuernd, hielt seinen Huthin und zeigte das Weiße der Augen, als sei er blind; ein Alter-tumshändler, vor seiner Spelunke, lud den Vorüberziehendenmit kriechenden Gebärden zum Aufenthalt ein, in der Hoff-nung, ihn zu betrügen. Das war Venedig, die schmeichlerischeund verdächtige Schöne, — diese Stadt, halb Märchen, halbFremdenfalle, in deren fauliger Luft die Kirnst einst schwel-gerisch aufwucherte und welche den Musikern Klänge eingab,die wiegen und buhlerisch einlullen. Dem Abenteuerndenwar es, als tränke sein Auge dergleichen Üppigkeit, als würdesein Ohr von solchen Melodien umworben; er erinnerte sichauch, daß die Stadt krank sei und es aus Gewinnsucht ver-heimliche, und er spähte ungezügelter aus nach der voran-schwebenden Gondel.
So wußte und wollte denn der Verwirrte nichts anderesmehr, als den Gegenstand, der ihn entzündete, ohne Unterlaßzu verfolgen, von ihm zu träumen, wenn er abwesend war,und, nach der Weise der Liebenden, seinem bloßen Schatten-bild zärtliche Worte zu geben. Einsamkeit, Fremde und dasGlück eines späten und tiefen Rausches ermutigten und über-redeten ihn, sich auch das Befremdlichste ohne Scheu und Er-röten durchgehen zu lassen, wie es denn vorgekommen war,daß er, spät abends von Venedig heimkehrend, im ersten Stockdes Hotels an des Schönen Zimmertür haltgemacht, seine Stirn