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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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seiner Haltung auszudrücken, daß nur Erziehung ihn hinderte,sich umzuwenden.

Einmal jedoch, eines Abends, begab es sich anders. Diepolnischen Geschwister hatten nebst ihrer Gouvernante beider Hauptmahlzeit im großen Saale gefehlt, — mit Besorgnishatte Aschenbach es wahrgenommen. Er erging sich nachTische, sehr unruhig über ihren Verbleib, in Abendanzug undStrohhut vor dem Hotel, zu Füßen der Terrasse, als er plötz-lich die nonnenähnlichen Schwestern mit der Erzieherin undvier Schritte hinter ihnenTadzio im Lichte der Bogenlampenauftauchen sah. Offenbar kamen sie von der Dampferbrücke,nachdem sie aus irgendeinem Grunde in der Stadt gespeist.Auf dem Wasser war es wohl kühl gewesen; Tadzio trug einedunkelblaue Seemanns-Überjacke mit goldenen Knöpfen undauf dem Kopf eine zugehörige Mütze. Sonne und Seeluft ver-brannten ihn nicht, seine Haut war marmorhaft gelblich ge-blieben wie zu Beginn; doch schien er blässer heute, als sonst,sei es infolge der Kühle oder durch den bleichenden Mond-schein der Lampen. Seine ebenmäßigen Brauen zeichnetensich schärfer ab, seine Augen dunkelten tief. Er war schöner,als es sich sagen läßt, und Aschenbach empfand wie schonoftmals mit Schmerzen, daß das Wort die sinnliche Schönheitnur zu preisen, nicht wiederzugeben vermag.

Er war der teuren Erscheinung nicht gewärtig gewesen, siekam unverhofft, er hatte nicht Zeit gehabt, seine Miene zuRuhe und Würde zu befestigen. Freude, Überraschung, Be-wunderung mochten sich offen darin malen, als sein Blickdem des Vermißten begegnete, — und in dieser Sekunde ge-schah es, daß Tadzio lächelte: ihn anlächelte, sprechend, ver-