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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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seine Schönheit ins Geistige zu tragen, wie der Adler einstden troischen Hirten zum Äther trug. Nie hatte er die Lustdes Wortes süßer empfunden, nie so gewußt, daß Eros imWorte sei, wie während der gefährlich köstlichen Stunden,in denen er, an seinem rohen Tische unter dem Schattentuch,im Angesicht des Idols und die Musik seiner Stimme im Ohr,nachTadzios Schönheit seine kleine Abhandlung, — jene an-derthalb Seiten erlesener Prosa formte, deren Lauterkeit,Adel und schwingende Gefühlsspannung binnen kurzem dieBewunderung vieler erregen sollte. Es ist sicher gut, daß dieWelt nur das schöne Werk, nicht auch seine Ursprünge, nichtseine Entstehungsbedingungen kennt; denn die Kenntnis derQuellen, aus denen dem Künstler Eingebung floß, würdesie oftmals verwirren, abschrecken und so die Wirkungendes Vortrefflichen aufheben. Sonderbare Stunden! Sonderbarentnervende Mühe! Seltsam zeugender Verkehr des Geistesmit einem Körper! Als Aschenbach seine Arbeit verwahrteund vom Strande aufbrach, fühlte er sich erschöpft, ja zer-rüttet, und ihm war, als ob sein Gewissen wie nach einer Aus-schweifung Klage führe.

Es war am folgenden Morgen, daß er, im Begriff das Hotelzu verlassen, von der Freitreppe aus gewahrte, wie Tadzio,schon unterwegs zum Meere — und zwar allein —, sich ebender Strandsperre näherte. Der Wunsch, der einfache Gedanke,die Gelegenheit zu nutzen und mit dem, der ihm unwissent-lich so viel Erhebung und Bewegung bereitet, leichte, heitereBekanntschaft zu machen, ihn anzureden, sich seiner Antwort,seines Blickes zu erfreuen, lag nahe und drängte sich auf. DerSchöne ging schlendernd, er war einzuholen, und Aschenbach