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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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Wahrheit uns sinnlich erscheinen wollten? Würden wir nichtvergehen und verbrennen vor Liebe, wie Semele einstmalsvor Zeus? So ist die Schönheit der Weg des Fühlenden zumGeiste, — nur der Weg, ein Mittel nur, kleiner Phaidros ...Und dann sprach er das Feinste aus, der verschlagene Hof-macher: Dies, daß der Liebende göttlicher sei, als der Ge-liebte, weil in jenem der Gott sei, nicht aber im andern, —diesen zärtlichsten, spöttischsten Gedanken vielleicht, der je-mals gedacht ward und dem alle Schalkheit und heimlichsteWollust der Sehnsucht entspringt.

Glück des Schriftstellers ist der Gedanke, der ganz Gefühl,ist das Gefühl, das ganz Gedanke zu werden vermag. Solch einpulsender Gedanke, solch genaues Gefühl gehörte und ge-horchte dem Einsamen damals: nämlich, daß die Natur vorWonne erschaure, wenn der Geist sich huldigend vor derSchönheit neige. Er wünschte plötzlich, zu schreiben. Zwarliebt Eros, heißt es, den Müßiggang, und für solchen nur ister geschaffen. Aber an diesem Punkte der Krisis war die Er-regung des Heimgesuchten auf Produktion gerichtet. Fastgleichgültig der Anlaß. Eine Frage, eine Anregung, über eingewisses großes und brennendes Problem der Kultur und desGeschmackes sich bekennend vernehmen zu lassen, war in diegeistige Welt ergangen und bei dem Verreisten eingelaufen.Der Gegenstand war ihm geläufig, war ihm Erlebnis; sein Ge-lüst, ihn im Licht seines Wortes erglänzen zu lassen, auf ein-mal unwiderstehlich. Und zwar ging sein Verlangen dahin, inTadzios Gegenwart zu arbeiten, beim Schreiben den Wuchsdes Knaben zum Muster zu nehmen, seinen Stil den Liniendieses Körpers folgen zu lassen, der ihm göttlich schien, und

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