chende zu erreichen wünschte, wohin ging man? Aber das warklar. Was sollte er hier? Er war fehlgegangen. Dorthin hatteer reisen wollen. Er säumte nicht, den irrigen Aufenthalt zukündigen. Anderthalb Wochen nach seiner Ankunft auf derInsel trug ein geschwindes Motorboot ihn und sein Gepäck indunstiger Frühe über die Wasser in den Kriegshafen zurück,und er ging dort nur an Land, um sogleich über einen Bretter-steg das feuchte Verdeck eines Schiffes zu beschreiten, das un-ter Dampf zur Fahrt nach Venedig lag.
Es war ein betagtes Fahrzeug italienischer Nationalität, ver-altet, rußig und düster. In einer höhlenartigen, künstlich er-leuchteten Ko j e des inneren Raumes, wohin Aschenbach sofortnach Betreten des Schiffes von einem buckligen und unrein-lichen Matrosen mit grinsender Höflichkeit genötigt wurde,saß hinter einem Tische, den Hut schief in der Stirn und einenZigarettenstummel im Mundwinkel, ein ziegenbärtiger Mannvon der Physiognomie eines altmodischen Zirkusdirektors, dermit grimassenhaft leichtem Geschäftsgebaren die Personaliender Reisenden aufnahm und ihnen die Fahrscheine ausstellte.„Nach Venedig!“ wiederholte er Aschenbachs Ansuchen, in-dem er den Arm reckte und die Feder in den breiigen Rest-inhalt eines schräg geneigten Tintenfasses stieß. „Nach Vene-dig erster Klasse! Sie sind bedient, mein Herr. “ Und er schriebgroße Krähenfüße, streute aus einer Büchse blauen Sand aufdie Schrift, ließ ihn in eine tönerne Schale ablaufen, faltete dasPapier mit gelben und knochigen Fingern und schrieb aufsneue. „EinglücklichgewähltesReiseziel!“ schwatzte erunter-dessen. „Ah, Venedig! Eine herrliche Stadt! Eine Stadt vonunwiderstehlicher Anziehungskraft für den Gebildeten, ihrer