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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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geführt, hatte Aschenbach eine kleine Weile den volkstüm-lich belebten Wirtsgarten überblickt, an dessen Rand einigeDroschken und Equipagen hielten, hatte von dort bei sinken-der Sonne seinen Heimweg außerhalb des Parks über die of-fene Flur genommen und erwartete, da er sich müde fühlteund über Föhring Gewitter drohte, am Nördlichen Friedhofdie Tram, die ihn in gerader Linie zur Stadt zurückbringensollte.

Zufällig fand er den Halteplatz und seine Umgebung vonMenschen leer. Weder auf der gepflasterten Ungererstraße,deren Schienengeleise sich einsam gleißend gegen Schwabingerstreckten, noch auf der Föhringer Chaussee war ein Fuhr-werk zu sehen; hinter den Zäunen der Steinmetzereien, wozu Kauf stehende Kreuze, Gedächtnistafeln und Monumenteein zweites, unbehaustes Gräberfeld bilden, regte sich nichts,und das byzantinische Bauwerk der Aussegnungshalle gegen-über lag schweigend im Abglanz des scheidenden Tages. IhreStirnseite, mit griechischen Kreuzen und hieratischen Schil-dereien in lichten Farben geschmückt, weist überdies sym-metrisch angeordnete Inschriften in Goldlettern auf, ausge-wählte, das jenseitige Leben betreffende Schriftworte, wieetwa: „Sie gehen ein in die Wohnung Gottes“ oder: „Dasewige Licht leuchte ihnen“; und der Wartende hatte wäh-rend einiger Minuten eine ernste Zerstreuung darin gefun-den, die Formeln abzulesen und sein geistiges Auge in ihrerdurchscheinenden Mystik sich verlieren zu lassen, als er, ausseinen Träumereien zurückkehrend, im Portikus, oberhalbder beiden apokalyptischen Tiere, welche die Freitreppe be-wachen, einen Mann bemerkte, dessen nicht ganz gewöhn-