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Tristan : 6 Novellen
Entstehung
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etwa um die oft dagewesene, mehr oder weniger sentimale Er-fassung des Bajazzoberufes handelt es sich, sondern um denLebensgang eines aus gut bürgerlichem Hause stammenden jungenMenschen, der von Kindheit an nicht die Anlage zu ernstlicherErfassung einer Lebensaufgabe hatte und nun allmählich, obwohlihm die äußeren Bedingungen zum Glück nicht fehlen, alle Haltung,alles Selbstvertrauen verliert. Hier lesen wir: „Es giebt nur einUnglück: das Gefallen an sich selbst einzubüßen. Sich nicht mehrzu gefallen, das ist das Unglück — oh, und ich habe das stetssehr deutlich gefühlt. Alles Uebrige ist Spiel und Bereicherungdes Lebens, in jedem anderen Leiden kann man so außerordentlichmit sich zufrieden sein, sich so vorzüglich ausnehmen. Die Zwie-tracht erst mit dir selbst, das böse Gewissen im Leiden, die Kämpfeder Eitelkeit erst sind es, die dich zu einem kläglichen und wider-wärtigen Anblick machen" ... Der Bund, Bern.

„Der kleine Herr Friedemann" ist eine Studie von seelischerTiefe. Wer sie liest, wird im Innersten gepackt werden. Derkleine Herr Friedemann ist ein Mann, welcher den ersten Kreisenseiner Stadt angehört, er ist leidlich wohlhabend, Mitbesitzer einesangesehenen Handelshauses, ein Ehrenmann — und doch sindihm die Freuden der Welt verschlossen. Als kleines Kind ließihn eine unvorsichtige Amme zu Boden fallen und machte ihnzum armseligen Krüppel mit eingedrückter Brust, hohen Schulternund gewaltigem Höcker auf dem Rücken. Gewöhnlich fragt dierobuste Gesundheit nicht danach, wie es in einem Unglücklichendieser Art aussieht, aber es kann nicht schaden und wird ihrzum Heile gereichen, wenn sie's einmal erfährt. Thomas Mannführt uns das ganze Leben des armen, zu kurz Gekommenen an,er zeigt uns, wie der kleine Friedemann es lernt, sich zu be-scheiden, und wie er auf manches Glück, besonders aber auf dasder Liebe, zu verzichten beschließt. „Aber der Mensch beschließtund die Götter fügen es anders." Herr Friedemann verliebtsich in eine schöne und eigenartige Frau, und es faßt ihn mitder Gewalt eines Sturmwindes. Verstand und Sinne gehenmit ihm durch. Der große Konflikt seines Lebens steht vor ihm.Umsonst sucht er nach einem Ausweg aus seiner Not. Es ziehtihn mit Gewalt zu jener schönen Frau, die ihren dämonischenEinfluß wohl bemerkt und, einer grausamen Laune folgend, mitdem Aermsten spielt. Als er aber vor ihr niedersinkt und seinHerz ausschüttet, stößt sie ihn mit Verachtung zurück. Der kleineHerr Friedemann kehrt nicht mehr heim. Von Ekel erfaßt, nimmter sich das Leben. Dies die Geschichte, die voll intimen Reizes ist.

Hamburger Frrmdenblatt.