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Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
231
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genuß ist uns verwehrt, streng verwehrt, wir machen unskein Hehl daraus, — und zwar ist dabei unter Lebens-genuß nicht nur das Glück, sondern auch die Sorge, auchdie Leidenschaft, kurz jede ernsthaftere Verbindung mitdem Leben zu verstehen. Die Darstellung des Lebensnimmt durchaus alle Kräfte in Anspruch, zumal wenndiese Kräfte nicht eben überreichlich bemessen sind", —und Herr Martini hüstelte, wobei seine Schultern mehr-mals nach vorn zusammengezogen wurden. „Die Ent-sagung", fügte er hinzu, „ist unser Pakt mit der Muse,auf ihr beruht unsere Kraft, unsere Würde, und dasLeben ist unser verbotener Garten, unsere große Versuchung,der wir zuweilen, aber niemals zu unserem Heil, unter-liegen."

Wieder hatten sich beim fließenden Sprechen HerrnMartinis Augen mit Tränen gefüllt. Er suchte sie durchein Blinzeln zu vertreiben.

„Jeder von uns", sagte er noch, „kennt solche Ver-irrungen und Entgleisungen, solche begehrlichen Ausflügein die Festsäle des Lebens. Aber wir kehren gedemütigtund Übelkeit im Herzen von dort in unsere Abgeschlossen-heit zurück."

Herr Martini schwieg. Es geschah ihm, daß sein Blick,unter emporgezogenen Brauen,'vorübergehend starr wurde,einen Atemzug lang sich im Leeren verlor, wobei seinMund einen säuerlichen Ausdruck annahm und seineWangen, über denen die ungesunde Röte glomm, nochmagerer schienen, als sonst. Das war nur eine Sekunde;dann wechselte er die Haltung und machte seine Augenwieder frei.

izi