einwandfreier Beamter. Die Wohlwollendsten sahen inihm einen Sonderling von verbissener und unselig rast-loser Gemütsart, der keinen Sonntag, keinen Feierabend,kein Ausspannen kannte und es nicht verstand, nach er-füllter Berufspflicht ein Mensch unter Menschen zu sein.Dieser natürliche Sohn einer Abenteurerin hatte sichmittellos aus den Tiefen der Gesellschaft, aus einer dunklenund aussichtslosen Jugend mit zäher Willenskraft zumVolksschullehrer, zum akademischen Würdenträger, zumGymnasialdozenten emporgearbeitet, hatte es erlebt —„erreicht", wie manche sagten, — daß er ins Fasanerie-Konvikt als Lehrer eines großherzoglichen Prinzen berufenwurde; und dennoch gelangte ec zu keiner Ruhe, keinemGenügen, keinem behaglichen Genuß des Lebens ... Aberdas Leben, wie irgendein guter Kopf ganz zutreffend imHinblick auf Doktor Überbein bemerkte, das Leben geht inBeruf und Leistung nicht auf, es hat seine rein mensch-lichen Anforderungen und Pflichten, die außer acht zulassen eine schwerere Sünde bedeutet, als etwa eine ge-wisse Jovialität gegen sich und andere auf dem Gebieteder Arbeit, und eine harmonische Persönlichkeit darf jeden-falls nur genannt werden, wer jedem Teile, dem Berufund der Menschlichkeit, dem Leben und der Leistung dasSeine zu geben versteht. Überbeins Mangel an kolle-gialem Empfinden mußte gegen ihn einnehmen. Ec miedjede gesellige Gemeinschaft mit seinen Amtsgenossen, undsein freundschaftlicher Verkehr beschränkte sich auf diePerson eines Herrn aus anderer wissenschaftlicher Sparte,eines Arztes und Kinderspezialisten mit dem unsympathi-schen Namen Sammet, der übrigens großen Zulauf hatte,
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