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Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
102
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lehrer habe vor Jahr und Tag mit genauer Not ein Kindaus einem Moor oder Sumpf gezogen und befinde sichim Besitz der Rettungsmedaille. Das war ein Eindruck.Später erfuhr man noch mehr aus Doktor ÜberbeinsLeben, und auch Klaus Heinrich erfuhr davon. Es hieß,er sei dunkler Herkunft, sei vaterlos. Seine Mutter seieine Schauspielerin gewesen, die ihn gegen Entgelt vonarmen Leuten an Kindesstatt habe annehmen lassen, undehemals habe er Hunger gelitten, woher die grünlicheFärbung seines Gesichtes rühre. Das waren Dinge, diesich der Einsicht, ja dem Nachdenken verschlossen, wilde,unzugängliche Dinge, auf welche übrigens Doktor Über-bein zuweilen selber anspielte, zum Beispiel, wenn dieadeligen Knaben, denen sein dunkler Ursprung im Sinnesaß, sich etwa anmaßend und unziemlich gegen ihn be-trugen. „Nesthäkchen und Muttersöhnchen!" sagte erdann in lautem Unmut. „Ich lasse mir lange genugden Wind um die Nase wehen, um Bescheidenheit voneuch Herrchen verlangen zu dürfen!"— Auch dies, daßDoktor Überbein sich den Wind hatte um die Nasewehen lassen, verfehlte nicht seine Wirkung auf KlausHeinrich. Aber das eigentlich Reizvolle an des DoktorsPerson war die Art seines direkten Verhaltens gegenKlaus Heinrich, der Ton, in dem er vom ersten Tage anmit ihm verkehrte, und der ihn von allen anderen Men-schen strikt unterschied. Er wußte nichts von der steifenVerschlossenheit der Lakaien, von Madames bleichemEntsetzen, von Schulrat Dröges sachlichen Verbeugungenoder von Professor Kürtchens selbstgefälliger Rücksicht-nahme; er wußte gar nichts von dem fremden, frommen

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