Druckschrift 
Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

nannte er „gnädige Dame" und wußte sich etwas mitdieser Art Kenntnis des feinen Tones.

Ein noch jugendlicher Hilfslehrer mit Doktorgrad standdem Professor Kürtchen zur Seite, — ein aufgeräumter,tätigkeitsfroher und redegewandt schwadronierender, dabeischwärmerisch gesinnter Mensch, der Klaus HeinrichsDenkart und Selbstempfindung vielleicht mehr, als gutwar, beeinfiußte. Auch ein Turnmeister, namens Zotte, wargewonnen worden. Nebenbei bemerkt hieß der HilfslehrerÜberbein, mit Vornamen Raoul. Was sonst an Lehrernnoch nötig war, kam jeden Tag mit der Eisenbahn ausder Hauptstadt.

Klaus Heinrich bemerkte mit Einverständnis, daß insachlicher Beziehung die Ansprüche, die man an ihnstellte, sich rasch verminderten. Schulrat Dröges faltigerZeigefinger haftete nicht mehr an den Zeilen, er hatte dasSeine getan; und während der Unterrichtsstunden sowohlwie bei Korrektur der schriftlichen Arbeiten nahm Pro-fessor Kürtchen ausgiebig Gelegenheit, seinen Takt zuerweisen. Ganz kurze Zeit nach Begründung des Inter-nates bat er eines Tages — es war nach dem Gabel-frühstück in dem hochfenstrigen Speisesaal zu ebener Erde— Klaus Heinrich zu sich hinauf in sein Studierzimmerund äußerte wörtlich: „Es ist gegen das allgemeine In-teresse, daß Großherzogliche Hoheit während unserergemeinsamen wissenschaftlichen Übungen zur Beantwor-tung von Fragen herangezogen werden, die Ihnen imAugenblick unwillkommen sind. Andererseits ist eswünschenswert, daß Großherzogliche Hoheit sich stetsdurch Handerheben zur Antwort melden. Ich bitte Groß-

7

L7