Druckschrift 
Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

Es waren ihrer fünf, miß ec Klaus Heinrich: ein Trüm-merhauff, ein Gumplach, ein Platow, ein Prenzlau undein Wehrzahn. Sie wurden in der Gegend „die Fasanen"genannt. Ein ziemlich ausgedienter Landauer aus demHofbestande, ein Gig, ein Schlitten und einige Reitpferdestanden ihnen zur Verfügung, und wenn zur Winterszmein Teil der Wiesen überschwemmt und gefroren war, sobot sich Gelegenheit zum Schlittschuhlaufen. Es gabeinen Koch, zwei Kammermädchen, einen Kutscher undzwei Lakaien auf Schloß „Fasanerie", von denen der einezur Not gleichfalls zu fahren verstand.

Gymnasialprofessor Kürtchen, ein kleiner, mißtrauischerund reizbarer Junggeselle von komödiantischen Forme»und einer altfränkischen Ritterlichkeit, leitete das KonviktEr trug einen gestutzten, ergrauten Schnurrbart, eineGoldbrille vor seinen unruhigen braunen Augen und imFreren stets einen in den Nacken gerückten ZylinderhutEr ging mit vorgestrecktem Unterleib, indem er seinekleinen Fäuste nach Art eines Dauerläufers zu beidenSeiten seines Bäuchleins hielt. Er behandelte KlausHeinrich mit einem selbstgefälligen Takt, war aber vollerVerdacht gegen den Adelshochmut seiner übrigen Zög-linge und geriet in die Wut eines Katers, wenn er Ge-ringschätzung seines Bürgertums witterte. Auf Spazier-gängen liebte er es, wenn Leute in der Nähe waren,stehen zu bleiben, seine Schüler in dichter Gruppe um sichzu versammeln und ihnen, mit dem Stock im Saudizeichnend, irgend etwas zu demonstrieren. Frau Ame-lung, eine stark nach Hoffmannstropfen duftende Haupe-mannswitwe, welche die Schüssel der Anstalt sühne,