Europa isclie Sumpfschildkröte.
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Kiefer hält sie fast immer dicht geschlossen; sie athmet daher nur durch die Nase, beim Ausathmenoft unter mehr oder weniger starkem, besonders wenn man sie reizt, hörbarem Zischen oder Blasen,woher die Meinung zu kommen scheint, sie habe eine Stimme, die ihr wohl ganz fehlt. Sie soll einAlter von 80 Jahren erreichen. Gegen den Winter gräbt sie sich ein etwa 6" tiefes Loch, worin siemit Erde bedeckt ruht (*), u. wird dann magerer und leichter ( 2 ). Beim Eintritt der ersten Frühlings-tage verläfst sie ihr Lager und geht ins Wasser, indem sie sich bei warmem Sonnenschein meist aufder Oberfläche desselben hält, um bald die Begattung zu beginnen. Vor derselben reiben sich beideGeschlechter mit dem Kopfe aneinander, hierauf besteigt das Männchen den Rücken des Weibchens,klammert sich fest an und schwimmt stundenlang mit demselben umher. Dies wird einigemale wie-derholt ( 3 ). Nach einigen Tagen legt das Weibchen 20 — 30 weichschalige Eier, von der Gröfse d.Taubeneier, die nach Marsigli ( 4 ) gröfser u. runder als Schlangeneier sind, und, wie die Vogeleier,Dotter und Eiweifs enthalten, an sonnigen, feuchten Plätzen in eine in die Erde gemachte Grube.Die Jungen schlüpfen im Junius desselben Jahres (*) aus (*), sind anfangs ganz weifs und etwa 6'"grofs, später werden sie roth und dann schwarz. Im Herbst haben sie erst die Gröfse eines Zwei-Groschenstücks. Sie wachsen überhaupt sehr langsam (**). — Ökonomischen Nutzen gewährt nur daszu den Fastenspeisen gehörende Fleisch und die daraus bereiteten Suppen, eben so wie die sehr ge-schätzte Leber. In der Heil mittellehre werden von der Flufsschildkröte blofs die zu den Delicatessengezählten, aus dem sehr gallertreichen Fleische unter Zusatz von Gewürzen u. s. f. erhaltenen Suppen(Schildkrötensuppen) gegen Entkräftung und Abmagerung z. B. bei Schwindsuchten, und (namentlichvon Alibert) auch gegen chronische Hautausschläge, selbst gegen Aussatz empfohlen (***)• Fürdiesen Gebrauch hat man auch eine aus dem Schildkrötenfleisch allein, oder auch in Verbindung mitKalbfleisch bereitete Gallerte vorgeschlagen ( 6 ). Ehedem war die medizinische Anwendung der Schild-kröten viel umfassender. Das Fleisch, welches, in geringer Menge genossen, Bauchgrimmen, in gröfse-rer Durchlauf hervorbringen sollte, wurde gegen Vergiftung durch Salamander gerühmt. Das Blutfrisch geschlachteter Schildkröten empfahl man als ein den Haarwuchs beförderndes Mittel, dann ge-gen Schwindsucht, gegen Hautkrankheiten (Ichthyose), und mit Milch in die Ohren getröpfelt gegenOhrenentzündung. Getrocknet u. gepulvert diente es als Gegengift. Schildkröten-Syrup u. Schildkröten-Wasser, so wie ein aus d. Schaalen erhaltenes Magisterium galten gegen d. Schwindsucht. Schildkröten-galle allein, oder mit Honig vermischt slrich man in die Augen, um Hornhautflecke zu entfernen u. s. f.Die einem Männchen abgeschnittenen Füfse, jeder einzeln in Bockleder genähet und auf die ihm ent-sprechende Hand und Fufs eines Gichtkranken gebunden, werden von Rhases, Porta, Solcnan-der und Sehen ck als wirksam gepriesen. Das gepulverte Glied wendete man gegen den Stein, unddas Fett zum Erweichen von Geschwüren an ("f).
(') Lacep. a. a. O. p. 120. (') Versuche darüber machte R. Pitt s. Philos• Trans, n. 194. p. 533. ( ) Marggr.a. a. O. ( 4 ) a> a _ o. (S) Marggr. a. a. O. ( 6 ) Richter Arzneim. B. I. S. 189.
() Nach Marsigli sollen die Eier erst im nächsLen Jahre im April oder Mai auskommen, was uns sehr unwahr-scheinlich scheint.
(♦*) Über Lehensart vergl. auch Verl. Mannigf. Jahrgg. 3. J. 211. 241. 253.; Hagström Neue Ablidl. der Schwed.Akad. B. V. S. 46.; Myli us Physik. Belust. 16 St. S. 446; Danziger wöchenil. Anz. 1781.
(***) Darauf beziehen sich auch die Anführungen der Caro Test, orbicu-laris in der Phannacop. Hispanica (s. Cod.Medicam. europ. sect. VI- Tom. I. j>. 0.) und Pharmac. gallica (s. ib. sect. II- p. 219.).
(t) M. s. hierüber Mercklein Thierb. S. 473; Aldrov. d. rjuadr. dig. ovip. c. 1.; i>rnyerin d. re. cib. I. 22.c. 271. Schröder L. 5. cl. 3. no. 90; Müller l\atursyst. ; Hahncmann Apothekerlex. und die alten Dispensatorienund Pharmacopöcn von Spielmann, Lemery etc.