214 ZUR GESCHICHTE DES ALKOHOLS UND SEINES NAMENS
des 14. Jahrhunderts der in Süddeutschland und Österreichnoch jetzt recht verbreitete Zuname „Weinbrenner" zuerstauftauchen soll.
Was den anscheinend die arabische Herkunft beweisendenNamen Alkohol für den Weingeist betrifft, so ist zu be-merken, daß er wirklich zwar durch arabische Übermittlungnach Europa kam, ursprünglich jedoch eine völlig andere Be-deutung besaß. Kohol ist nämlich ein entweder arabischesoder von den Arabern schon frühzeitig der Sprache einesNachbarvolkes entlehntes Wort, das ein außerordentlich feinesPulver bezeichnete, u. a. auch die schon in den ältesten Zeitengebräuchliche Schminke aus Schwefelantimon oder Schwefel-blei, die, wie der berühmte medizinische „Papyrus Ebers"zeigt, in Ägypten bereits im 15. Jahrhundert v. Chr. zu thera-peutischen und kosmetischen Zwecken längst allgemein ge-bräuchlich war. Das Wort „Kohol", sowie seine mit dem ara-bischen Artikel ,,al" versehene Form „Alkohol", bezeichneteursprünglich also nichts weiter wie irgendein sehr feines, fastunfühlbares Pulver, und hat sich in solchem Sinne in derChemie und Pharmazie bis gegen 1800 noch vielfach erhalten:es sei in dieser Hinsicht nur an das Ferrum alcoholisatum er-innert, d. i. ein höchst feines Eisenpulver. Die Übertragungdes Wortes Alkohol im Sinne eines feinsten, edelsten Bestand-teiles, einer Quintessenz, auf den Weingeist, geschah jedochin völlig willkürlicher Weise erst zu Anfang des 16. Jahr-hunderts durch Theophrastus Paracelsus. Nur sehr lang-sam und allmählich fand sie Annahme, in der Wissenschafteigentlich erst seit Aufstellung der berühmten neuen Nomen-klatur durch Lavoisier und seine Zeitgenossen.
Kurz sei noch darauf hingewiesen, daß auch die Be-hauptung, der Alkohol sei eine südasiatische Erfindung,jeder Begründung entbehrt. In Indien ist, wie die Destillationüberhaupt, so auch die des Weines keine einheimische Er-rungenschaft; man k£nnte zwar seit alters her gegorene be-