212 ZUR GESCHICHTE DES ALKOHOLS UND SEINES NAMENS
geist in Frage kommen. — Ein jüngeres, in einem Sammel-bande zu Paris befindliches Manuskript, das erst gegen 1300niedergeschrieben ist, enthält noch den Rat, man möge demWein vor der Destillation Salz, Schwefel, oder Weinstein zu-setzen; vermutlich nahm man an, daß die „Feuchtigkeit" desWassers seine Entzündlichkeit verhindere, und versuchte des-halb, ihm durch Zugabe von Chemikalien, die im Rufe be-sonderer „Trockenheit" standen, solche gleichfalls mitzuteilen.Bemerkenswert ist, daß die auf Destillation (aber nicht desWeines) bezüglichen Abbildungen in diesen Pariser Manu-skripten völlige Unvollkommenheit der Kühlvorrichtungen er-kennen lassen, so daß deren neu erfundene Verbesserung wohlauch damals noch den Zeichnern gar nicht bekannt war;vielleicht haben diese aber auch nur alte Vorlagen kopiert.
Im 13. Jahrhundert, schon etwa gegen 1250, beginnt derWeingeist in seiner Eigenschaft als Heilmittel und Allheil-mittel aufzutreten, und zwar, soviel bekannt ist, zuerst bei denÄrzten Vitalis de Furno und Thaddäus von Florenz;dieser Umstand weist gleichfalls auf die Entdeckung desAlkohols in Italien hin.
Albert der Große, der vielseitige Gelehrte und Schrift-steller (1193—1280) führt in seinen Werken, deren nähere Ab-fassungszeit aber nicht feststeht, den Weingeist an; er sagt,daß, wenn man Wein ebenso wie Rosenwasser „sublimiert"(nicht destilliert), eine leichte, obenauf schwimmende, ent-zündliche Flüssigkeit erhalten wird, ein „liquor inflammabilissupernatans".
Möglicherweise hat noch vor ihm Arnaldus von Villa-nova (1235—1312?) in einer seiner zahlreichen Abhandlungenden Alkohol erwähnt, und er wäre dann der erste dem Namennach bekannte Autor, der über ihn als etwas schon Wohl-bekanntes berichtet. Arnaldus führt an, daß bei der De-stillation des Weines dessen subtilster Teil als „aqua ardens"entweicht, als brennbares Wasser, das von einigen auch „Aqua