ZUR GESCHICHTE DES ALKOHOLS UND SEINES NAMENS 211
mit drei Teilen Salz in den hierzu gebräuchlichen Apparatenzum Sieden erhitzen, wodurch man ein Wasser erhalte, dassich zur Flamme entzündet, ohne seine Unterlage zu ver-brennen; offenbar handelt es sich also um einen noch rechtwasserhaltigen und schwachen Weingeist. Da diese Beschrei-bung im Manuskripte aus dem 10. Jahrhunderte noch fehlt,in dem aus dem 12. sich aber eingeschaltet findet, so wirdman mit Recht folgern dürfen, daß die Erfindung in derZwischenzeit, also im 11. Jahrhundert etwa, gemacht worden sei.
Weiteres über den Weingeist berichtet das berühmte„Feuerbuch" des sog. Marcus Graecus, mit dem sich schonseit längerer Zeit viele Historiker beschäftigt haben, weil esauch die älteste Vorschrift zur Herstellung des Schießpulversenthält. Dieses Werk rührt aller Wahrscheinlichkeit nach ur-sprünglich wirklich von einem Griechen namens Marcus her, undbeschreibt, wie schon der Titel „Liber ignium ad comburendoshostes" ersehen läßt, in seiner ersten Gestalt die Herstellungder zum Teil schon dem Altertum bekannten, und im 7. Jahr-hundert sehr vervollkommneten Brandsätze zum Verbrennen,nicht zum Erschießen, der Feinde. Das Rezept zur Bereitungdes Schießpulvers ist ihm jedenfalls erst in viel jüngerer Zeiteingefügt worden, wie es denn überhaupt in seiner jetzt vor-liegenden Gestalt frühestens gegen 1250 niedergeschrieben seinkann. Das älteste, in München vorhandene Manuskript ent-hält im Texte selbst nichts über Alkohol, beschreibt jedochin einem später angehängten Nachtrag die Darstellung desWeingeistes mit folgenden Worten: Alter Wein wird aus einerRetorte (Cucurbita) mit einem Helm (alembic) auf schwachemFeuer destilliert, und was hierbei übergeht, ist das „brennbareWasser" „aqua ardens", — ein Ausdruck, der übrigens auchfür das destillierte Terpentinöl gebraucht wird; es verbrenntauf Leinen, ohne dieses zu entzünden, und (angeblich) auchauf dem Finger, ohne diesen zu verletzen. Auch hier kannalso nur ein noch schwacher, viel Wasser enthaltender Wein-
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