208 ZUR GESCHICHTE DES ALKOHOLS UND SEINES NAMENS
fasser in späterer Zeit mit größter Kühnheit untergeschobenwurden.
Was die Folgezeit anbelangt, so ist es natürlich unmöglich,auf jeden der einzelnen muslimischen Autoren in gleichemSinne einzugehen wie auf die eben genannten, besonders wichtigenVerfasser. Es sei daher nur hervorgehoben, daß auch in dennächsten Jahrhunderten Kenntnis des Alkohols bei keinemchemischen oder physikalischen Autor nachzuweisen ist, beikeinem Verfasser einer Pharmakopoe, und auch bei keinemArzt, auch nicht bei dem berühmten spanisch-arabischenAbul-Kasim, der um 1107 starb; denn entgegen dem häufigüber ihn Angeführten benutzte dieser nur Apparate zur Dar-stellung des Rosenwassers u. dgl., die den alten griechischennoch ganz ähnlich sind, und obwohl er, unter Anlehnung aneine Stelle des Aristoteles, die Redensart gebraucht: „ebensokann, wer es will, auch Wein destillieren", so berichtet er dochmit keinem Worte, daß er dies wirklich ausgeführt habe, undsagt namentlich auch nichts über die Eigenschaften eines solchenDestillates. Keine Erwähnung des Alkohols findet sich auchin den ausführlichen Schriften der arabischen Reisenden undGeographen, von Ibn-Haukal bis Ibn-Batuta; in denzahlreichen Zusammenstellungen über die zumeist in naturazu leistenden steuerlichen Abgaben, die doch z. B. des Rosen-wassers in Persien schon sehr früh gedenken; in den eingehen-den Berichten über die gleichfalls vorwiegend in natura er-folgende Zuteilung von Lebens- und Genußmitteln aller Artan höfische Angestellte und Beamte; endlich auch nicht inden Werken der arabischen oder persischen Dichter, obwohlderen Divane, wie bekannt, oft fast ausschließlich dem Preisedes Weines, sowie der außerordentlich zutreffenden Schilderungder Folgen seines übermäßigen Genusses gewidmet sind. Selbstin solchen Schriften fehlt jede Hindeutung auf Alkohol, die aus-führlich gerade über den Wein, seine Herstellung und Ver-wendung handeln, so z. B. in dem großen „Buche der Land-