Druckschrift 
2 (1913)
Entstehung
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207
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ZUR GESCHICHTE DES ALKOHOLS UND SEINES NAMENS 207

In sehr bestimmter Weise wird betreffs des hochberühmtenarabischen Arztes Räzi versichert, er habe im 9. Jahrhundertdie Darstellung des Alkohols gekannt und sei sogar der erstegewesen, der ihn als Arzneimittel innerlich zu verwendenwagte; alle solchen Angaben sind jedoch, soweit seine echtenSchriften in Frage kommen, ganz unzutreffend, denn dieseenthalten kein Wort, das derartigen Voraussetzungen als Unter-lage dienen kann. Allerdings erwähnt Räzi die durch Gärungaus Zucker, Honig, Reis u. dgl. hergestelltenvina falsa"nachgeahmten Weine", wobei noch zu beachten bleibt,daß das von ihm gebrauchte Wortfermentari" gar nichtimmer eine wirkliche Gärung bedeutet, sondern oft nur einErwärmen oder Digerieren; von einem flüchtigen Bestandteiledieser Gärungsprodukte spricht er jedoch nirgends, und wasman in den lateinischen Übersetzungen seiner Werke als Be-zeichnung eines solchen aufgefaßt hat, ist vermutlich wiederumnur der AusdruckAqua vitae". Dieser ist aber bei Räzi inder Regel gleichbedeutend mitElixier" oderStein derWeisen", und das geht auf die alte, als platonisch angeseheneLehre zurück, daß die unedlen Metalle sich von den edlen ingleichem Sinne unterscheiden, wie die kranken Körper von dengesunden, nämlich durch den Überfluß oder Mangel einzelnerder vier Elemente, daher denn z. B. dieselbe Substanz, dieden Siechen gesund macht, auch fähig sein wird, das unedleMetall in ein edles zu verwandeln: sie hat dann, ebenso alsLebenswasser" dem Kranken, wie alsElixir" dem unedlenMetalle, das nötige fehlende Element wieder zugeführt.

Ebensowenig wie bei Räzi findet sich auch bei Avicenna(Ibn Sina), dem berühmtesten und einflußreichsten der ara-bischen medizinischen Autoren, an der Wende des 10. Jahr-hunderts, irgendeine Kenntnis des Weingeistes; alle ein-schlägigen Angaben sind entweder wiederum auf Irrtümer dererwähnten Art zurückzuführen, oder auf Benutzung einerder zahlreichen gefälschten Schriften, die gerade diesem Ver-