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ZUR GESCHICHTE DES ALKOHOLS UND SEINES NAMENS 205
richtet erscheint als seine etwa fünfhundert Jahre älteren Vor-gänger. Wenn sehr oft ganz anderes angenommen worden ist,so rührt das hauptsächlich mit daher, daß sich bei den grie-chischen Alchemisten ein Ausdruck vorfindet, den ihre späterenlateinisch schreibenden Fachgenossen mit „aqua vitae" wieder-gaben, und den man fälschlicherweise mit „Weingeist" über-setzen zu dürfen glaubte; dies ist jedoch ganz unberechtigter-weise geschehen, denn jenes „aqua vitae", wörtlich „Wasserdes Lebens", ist nichts anderes als das uralte zauberkräftige„Lebenswasser", das, nach den Überlieferungen ägyptischerMythologen, schon die Göttin Isis erfand, die es bereitet habensoll, um mit ihm die vom Gotte Seth oder Typhon zer-stückelte Leiche ihres Gatten Osiris zu begießen, und diesenso zu neuem Leben zu erwecken. Derlei Lebenswasser,(üHuvuaiu^<fÜQnustov, Mittel der Unsterblichkeit), — von dem, auf Grundspäterer hellenistischer Quellen, auch der griechische Histo-riker Diodor berichtet, ferner der weltberühmte Arzt Galenos,sowie auch der sog. „Brief Alexanders des Großen an Aristo-teles", dessen syrisches Original vor längerem wieder auf-gefunden wurde —, hat also offenbar nicht das Geringste mitunserem heutigen Weingeiste zu schaffen, und jede weitereAusführung hierüber erübrigt sich.
Dafür, daß auch noch die spätesten Zeiten des Altertumsnichts vom Alkohol wußten, ließen sich zahlreiche Stellen derLiteratur anführen, doch genüge es, auf zwei recht charak-teristische hinzuweisen: Der heilige Basilius, der um 350n. Chr. in einer seiner Schriften die Verkommenheit der Zeit-genossen tadelte, eifert in ihr auch sehr eingehend gegen dieTrunkenheit, weiß sie aber auf nichts anderes zurückzuführenals auf den Weindunst, die uldältj des Weines, die den Trinkernzu Kopfe steige, - demnach auf eine seit den ältesten Zeitenallgemeine und geläufige Umschreibung. Auch Macrobius,der um 400 n. Chr. lebte, stellt eine höchst ausführliche Unter-suchung darüber an, weshalb wohl der Wein trunken mache,