CHEMISCHES UND ALC11EMISCHES AUS ARISTOTELES 149
Feuer), durch deren Vereinigung die Elemente, die nachAristoteles alle vier in jedem Körper vorhanden seinmüssen, wieder zusammengeführt werden; die Kombination(Wasser + Erde) ist aber, nach Aristoteles, im Quecksilberverwirklicht, als dessen Hauptbestandteile die in jedem un-edlen Metalle vorhandene Erde, sowie das viele, seinen flüssigenZustand bedingende Wasser anzusehen sind; für die zweiteKombination (Luft + Feuer), die dem nvEv/iu dslov (pneumatheion) entspricht, ergibt sich aus dem Doppelsinne des Wortestheion (= göttlich, aber auch = = Schwefel) als passendsterTräger der, nach Aristoteles schon von altersher für „heilig"angesehene Schwefel, dessen Eigenschaften, nämlich „heiße"und „feurige" Natur, sowie Flüchtigkeit, einer solchen Vor-stellung durchaus angemessen erscheinen. Demgemäß ver-einigen sich, wie auch die „Lauteren Brüder" noch lehren,die Elemente zunächst zum Schwefel und Quecksilber, und erstdiese bilden dann, unter Verbindung nach den verschiedenstenMengen-, Reinheits- und „Reife"-Verhältnissen, wie alle anderenStoffe so die Metalle; die Voraussetzung einer derartigen Ent-stehungsweise führte auch zu dem bedeutsamen, mit den An-sichten Piatons übereinstimmenden Schlüsse, daß sich Ver-brennung und Rosten (also die raschen und langsamen Vor-gänge der Oxydation) unter Ausscheidung eines Bestand-teiles, und daher unter Gewichtsverlust vollziehen.
Tiefgreifende Veränderung dieser Anschauungen bewirktenoch eine Entdeckung, die zu den weittragendsten auf demGesamtgebiete der Chemie gehört, 1 die der Destillation desQuecksilbers, die allem Anschein nach im 4. Jahrhunderten. Chr. gemacht wurde; war es auch schon seit langem bekannt,daß das Quecksilber im Feuer „verfliegt", so mußte doch die,mit allen hergebrachten Begriffen gänzlich unvereinbare Mög-lichkeit, es in ein Pneuma, einen heißen, Spannung besitzendenLuftgeist zu verwandeln, und aus diesem sichtbar wieder ab-
1 S. meine Abhandlung über Piaton.