CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES J 45
Materie zunächst in grobe und feine, und weiterhin ersterein Wasser und Erde, letztere in Luft und Feuer zu teilen.Für die Neuplatoniker endlich, deren Blütezeit (etwa von300 n. Chr. an bis zum Erlöschen griechischen Geistes) mit jenerder alexandrinischen Alchemie zusammenfiel, bestanden dieKörper aus der Hyle als Materia prima und dem Logos alsInbegriff der Qualitäten, die als Logoi spermatikoi individuali-sierend wirken, und als „zeugende Formen" oder „Samen" so-wohl die leblosen Einzeldinge als auch die Pflanzen und Tieregestalten; der intelligente Logos, aber auch der allgemeine,sämtliche Dinge des Weltgebäudes hervorbringende und durch-dringende, wird Hermes (Merkur) genannt.
Die vorstehenden Darlegungen, so knapp sie gefaßt werdenmußten, dürften mit Klarheit ersehen lassen, wie die Alchemie,als ein echtes Kind griechischen Geistes, aus der griechischenPhilosophie hervorging, und daß daher ihrem Hauptgebilde,dem mystischen „Stein der Weisen", mit Recht der Namen„philosophischer Stein" erteilt wurde, der erst in spätererZeit nicht mehr auf die „reinen" Philosophen Bezug hatte,sondern auf die „philosophi per ignem", „die mit Hilfe desFeuers Forschenden", d. s. die Chemiker.
Von den wesentlichen Begriffen der Alchemie führen ihrenUrsprung auf Pia ton zurück: die Materia prima; die all-gemeine Wandelbarkeit sämtlicher Dinge; die wechselseitigeUmwandlung (Transmutation) edler und gemeiner Metalle inder Natur; ihre Nachahmung, entweder auf die nämliche Weise,durch allmähliches Wachsen und Reifen, oder unter Benützungder Materia prima als Durchgangsstufe, wobei neue Stoffedurch Vereinigung und Vermählung aus den alten hervorgehen;die Symbolisierung des Goldes als Reinsten, Edelsten, Himm-lischen, die dazu führt, dem „Stein der Weisen" auchpsychische und religiöse Wirkungen zuzuschreiben, und inihm, der Parallelität des mikro- und makrokosmischen Ge-schehens halber, zugleich das Allheilmittel gegen Krankheit
v. Lippmann, Abhandl. u. Vortr. II. 10