132 CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES
Wärme der oberen Regionen nur indirekt, vermöge der Reibungihrer Sphären, erzeugen sollen, und zwar durch Entzündungder rauchartigen Dünste, denen bei der Entstehung der Ge-witter und der Kometen ebenfalls eine sehr wichtige Rolle zu-geteilt wird.
Auch die Luft enthält, neben den feuchten Dünsten ihrerunteren Schichten, noch heiße rauchartige, die hauptsächlichdie oberen Regionen erfüllen; Aristoteles glaubt, daß siedurch Reibung entzündet werden können, und stellt dabeiden merkwürdigen, an Robert Mayer gemahnenden Satzauf, daß zwar der Akt der Erwärmung auf Bewegung beruhe,nicht aber die Wärme selbst. Den „feuchten Dünsten" derunteren Schichten, und der blauen (durch die große Ver-dünnung bedingten) Farbe der oberen zum Trotz, soll übrigensdie Luft in Berührung mit Wasser nicht feucht werden, undin heißem Zustande dichter sein als in kaltem. Mit Nachdruckwird darauf hingewiesen, daß die Luft, entgegen dem Augen-schein, substantieller Natur sei, daß alle Körper, ihrer „Größe"entsprechend, wie Wasser so auch Luft verdrängen, daß dieLuft Gewicht besitze (wie der Versuch mit dem Abwägen desBrotteiges vor und nach der Gärung lehrt), und daß sie untergeeigneten Umständen Druck erleide und ausübe; auf letztereEigenschaft gründet sich u. a. die absonderliche aristotelischeTheorie des Wurfes, die (trotz aller von Philoponos bis aufGalilei erhobenen Angriffe) im wesentlichen bis in das17. Jahrhundert hinein herrschend blieb, sowie die ebensomerkwürdige Lehre von der Emission des Samens, der zweifel-los die Idee der „Aura seminalis" entstammt, jenes „Samen-hauches", der bei Aristoteles Rebhühner und Steinhühnerbefruchtet, bei späteren Autoren (z. B. Plinius) aber auchKühe und Stuten. 1
Die Beobachtung, daß manche Arten der Luft zum Atmenuntauglich sind, führt zu keiner weiteren Folgerung, und der
1 S. auch Lucian, „Das Opfer", cap. 6, und „T° xa ri s '\ Kap. 38.