130 CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES
Durchaus zutreffend ist die (von vielen erst Boyle zu-geschriebene) Definition der Elemente, die Erkenntnis, daßjedes Geschehen, also auch das chemische, das Vorhandenseinunausgeglichener Gegensätze erfordere, sowie die Bestreitungder Atomistik (in ihrer alten und ursprünglichen Form), dieAnlaß zur Aufstellung höchst wichtiger Sätze gibt, u. a. jenesvon der Unmöglichkeit einer vollendeten Unendlichkeit, undjenes von der unbegrenzten Teilbarkeit stetiger Größen, ausder jedoch nicht deren Zusammensetzung aus unendlich kleinenTeilchen folgt; mangelhaft begründet ist die Theorie der kon-tinuierlichen Raumerfüllung, und haltlos die Ablehnung derMöglichkeit eines leeren Raumes (Vakuums). Richtigem Ein-sehen entspringt das Verlangen, man solle die Zahl der Ele-mente nicht größer annehmen, als sie zur Erklärung der Tat-sachen unbedingt nötig sei; ganz willkürlich ist aber wiederdie Aufstellung von gerade vier Elementen, ihre Identifizierungmit denen der alten Naturphilosophen (Erde, Wasser, Luft,Feuer), und die Ableitung der ihnen in absolutem Sinne zu-geschriebenen Haupteigenschaften aus jenen Naturen der vier,teils aktiven, teils passiven Qualitäten, die doch selbst alsnur relative erkannt wurden. Die Schwierigkeit, die die An-nahme einer einheitlichen Urmaterie (Materia prima) bedingt,wird zwar erwähnt, aber nicht weiter berücksichtigt, daherbleibt die fruchtbare Vorstellung der im Kreisprozesse er-folgenden Umwandlungen jeder Weiterentwicklung unfähig, unddie Beziehung zwischen Materia prima, Elementen, und Einzel-körpern durchaus unklar. Völlig dunkel erscheint auch dasso überaus bedeutungsvolle Verhältnis zwischen Stoff undForm; die richtige Erkenntnis ihrer Einheit ist fast nur in derTheorie vorhanden, praktisch aber herrscht beinahe ausnahms-los der unverhüllteste Dualismus, wobei zumeist die Form alsdas Wesentliche, Verursachende, Zwecksetzende und Zielstrebigevorherrscht, zuweilen aber auch der Stoff. Obwohl dieser näm-lich in der Regel als rein passiv, als ausschließlich empfangend