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2 (1913)
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129
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CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 129

Schlüsse unzulässig seien oder nur wertlose Scheinerklärungenergäben, daß Stoff und Form eine untrennbare Einheit bilden,daß das Wesen der Dinge in ihrer Wirksamkeit zu suchen sei,daß keine Definition auch das Sein des Definierten verbürge,daß allen Erscheinungen ein Unerklärbares („Metaphysisches")zugrunde liege, usf. Aber in welchem überraschenden Gegen-satze zu diesen allgemeinen Lehren des Aristoteles stehenseine speziellen Ausführungen auf dem Gebiete der Einzel-wissenschaften, und ganz besonders auf dem der Physik undChemie! Es sei in dieser Beziehung nur auf einige der wich-tigsten Punkte aus dem Umkreise jener Ansichten verwiesen,deren zusammenfassende Darstellung in den vorstehenden neunAbschnitten versucht wurde.

Die Unzerstörbarkeit der Materie hat Aristoteles richtigerkannt, die der Energie geahnt, jedoch (ähnlich wie nochDescartes) für eine solche der Bewegungsgröße gehalten;auch begegnen wir zutreffenden Vorstellungen der Tatsachen,daß alle Schwere nur relativ ist, und daß stets Energie auf-gewendet werden muß, um einen bewegten Körper zur Ruheoder einen ruhenden in Bewegung zu bringen. Die Lehre vomWeltgebäude verwertet jedoch diese Einsichten in keiner Weiseund bleibt daher unvereinbar mit den Gesetzen der Erhaltungder Bewegungsgröße und der Trägheit; ganz willkürlich sindihre Theorien über die natürlichen Orte, über das Oben undUnten im Weltall und die Unmöglichkeit der Antipoden, überdie absolute Schwere und Leichtigkeit, und über die zentraleund weltbeherrschende Stellung der Erde, die doch zugleichnur ein „Punkt im Raum" und ein „Stern unter Sternen"sein soll; auch ihre Annahme vom Äther, als einem den ganzenHimmelsraum erfüllenden, von den irdischen Elementen durch-aus verschiedenen, und mit ihnen ganz unvergleichbarenStoffe, steht in völligem Widerspruche mit der Erkenntnis,daß die Materie überall ein und dieselbe ist, „und wenn esmehrere Weltalle gäbe, auch in diesen".

v. Lippmann, Abhandl. u. Vortr. II. 9