80 CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES
zusammengesetzt, weder die Linie aus Punkten, noch dieZeit aus Augenblicken, noch der Körper aus Atomen, — weileben die Summierung von „Nicht-Größen" niemals eine„Größe" ergeben kann. 1 Ferner vermögen die Atomisten überdie „verschiedene Anordnung" ihrer einheitlichen Atome nichtsWeiteres auszusagen, also z. B. nicht begreiflich zu machen,wie, allein aus einer solchen, die bestimmte Substanz Goldhervorgehen soll. 2 Endlich gibt es auch in der Natur keinLeeres, und die Behauptung, daß der leere Raum die Vor-bedingung für die Möglichkeit der Bewegung sei, ist gänzlichhinfällig, da auch im kontinuierlich erfüllten Raum stetigerKreislauf und Wirbelbewegung denkbar bleiben; 3 auch müßtesich im leeren Raum jeder einmal in Bewegung gesetzte Körperendlos weiter bewegen, da kein Widerstand ihn behindert. 4In jeder Hinsicht erweisen sich also die Lehren der Atomistenals inkonsequent und unzureichend.
Sind nun Elemente anzunehmen, so empfiehlt sich alsdie zweckmäßigste Zahl die Vierzahl, die schon die altenNaturphilosophen zugrunde legten, indem sie aus vier Ele-menten alle Einzeldinge hervorgehen ließen, entweder durchbloße Verdünnung und Verdichtung, oder durch Vereinigungund Trennung gewisser, schon in ihnen vorhandener, und mehroder weniger überwiegender Gegensätze. 5 Unter diesen sind,wie die Genannten ebenfalls schon erkannten, die wichtigstenund zu Erklärungen brauchbarsten die Paare Wärme-Kälteund Trockenheit-Feuchte, denn sie umfassen die vier erstenund ursprünglichsten Qualitäten, 6 von denen Wärme undKälte aktiven, Trockenheit und Feuchte passiven Charaktertragen, 7 — was ein Satz von größter und grundlegenderWichtigkeit ist. Zwischen diesen vier Qualitäten, die übrigensnur durchaus relativer Natur sind, 8 erweisen sich sechs Arten
1 Ph. I, 2; VI, 1 und 9; E. I, 2; L.; At. 2 Hi. I, 7. 3 Ph. IV,
7-9. 4 Ph. IV, 8. 5 Ph. I, 4; III, 4; VIII, 7. 6 Ph. I, 5; E. II, 2.
7 M. IV, (4), 1; (11), 3. 3 Th. II, (2), 4-8.