CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 79
III. Die Elemente.
Unter Elementen versteht man diejenigen Stoffe, in diedie übrigen zerlegt werden können, die sich aber selbst nichtmehr in andere, der Art nach verschiedene zerlegen lassen;sie sind also die letzten, immanenten, nicht weiter in artfremdeSubstanzen überführbaren Grundbestandteile der Körper. 1
Die Zahl der Elemente ist zweckmäßigerweise möglichstbegrenzt, und jedenfalls nur so hoch anzunehmen, daß sie zurErklärung der beobachteten Tatsachen ausreicht. 2 Die Voraus-setzungen älterer Forscher, die das Dasein zahlloser Elementebehaupteten, sind ebenso unnötig und irreleitend wie dieLehren Piatons, aus denen man das Vorhandensein einerzwar begrenzten, aber sehr großen Zahl von Grundstoffenfolgern kann; gerade so wenig genügen aber auch die Theoriender Atomisten, die von einem einzigen und einheitlichen Sub-strate ausgehen wollen, 3 obwohl doch, damit überhaupt etwasgeschehe, Veränderungen notwendig sind, die das Bestehenausgleichbarer Gegensätze erfordern. 4 Nach diesen Theoriensoll nämlich nur eine einzige Art von unendlich kleinen undunteilbaren Atomen in unendlicher Menge im Leeren vorhandensein, und allein aus ihrer verschiedenen Anordnung sollen diezahlreichen qualitativ verschiedenen Körper hervorgehen, 5 ähn-lich etwa, wie die wenigen nämlichen Buchstaben alle Ko-mödien und Tragödien liefern. 6 Es ist aber widersinnig, dieExistenz einer unendlichen Anzahl von Atomen anzunehmen,also eine vollendete Unendlichkeit; eine solche ist durchausundenkbar, denn „das Unendliche besteht nicht, sondernwird", 7 d. h. man kann sich ihm zwar nach Belieben weiterannähern, nie aber es erreichen. Sodann ist zwar alles Kon-tinuierliche unbegrenzt teilbar, deshalb aber keineswegs auchaus unendlich kleinen und nicht weiter zerlegbaren Teilchen
1 Hi. III, 3; Met. V, 3. 2 Hi. III, 4. 3 Hi. III, 6. 4 Ph. III, 5.
5 Hi. I, 7; Met. I, 4. 6 E. I, 2. 7 Ph. III, 7.