78 CHEMISCHES UND AI CHEMISCHES AUS ARISTOTELES
dessen natürlicher Ort, infolge seiner großen Leichtigkeit, deroberste Raum ist, der bis an das Himmelsgewölbe reicht. 1
Wasser und Luft, die ihren natürlichen Ort zwischen derschweren Erde und dem leichten Feuer haben, also Mittel-glieder sind, zeigen auch eine mittlere Beschaffenheit, d. h. siebewegen sich vorzugsweise das eine nach unten, die anderenach oben, sind aber auch der entgegengesetzten Bewegungnicht ganz unfähig; 2 während nämlich die Erde keine Leich-tigkeit und das Feuer keine Schwere hat, 3 so daß sich „dieErde niemals an das Aufsteigen, das Feuer niemals an dasHerabsinken gewöhnt", 4 und beide zu solchen unnatürlichenBewegungen nur gewaltsam gezwungen werden können, 5 be-sitzen Wasser und Luft in dieser Hinsicht relative Eigen-schaften: Wasser ist leicht gegenüber Erde, aber schwer gegen-über Luft, Luft leicht im Vergleiche zu Wasser, aber schwerim Vergleiche zu Feuer. 6
Alles, was sich oberhalb der Region des Mondes, alsooberhalb des Himmelsgewölbes befindet, demnach die Ge-samtheit der Gestirne lind der ganze übrige Weltraum, ist er-füllt von Äther, und besteht aus ihm. Äther ist eine „gött-liche", eine himmlische Substanz, durchaus und völlig ver-schieden von allen irdischen Stoffen, deren Gesetze daher fürihn keine Gültigkeit haben; 7 er ist immateriell, einfacherNatur, weder leicht noch schwer, unentstanden und unver-gänglich, qualitativ unveränderlich, und in endloser einheit-licher Kreisbewegung begriffen; 8 diese ist nämlich die einfachste,gleichmäßigste, beharrlichste, ursprünglichste und vollkom-menste, 9 und in ihr liegt Prinzip und Ursache aller, den ge-meinen irdischen Stoffen zukommenden gerad- oder krumm-linigen Bewegungen, und der durch diese veranlaßten Ver-änderungen der Materie. 10
1 Ph. IV, 5; V, 6. M. I, (2), 1; (3), 14. 2 Hi. IV, 3 und 5. 3 Hi. II,
2 und 4. 4 Or. I, 6; Ni. II, 1. 5 Ph. IV, 8. 6 Hi. I, 3. 7 M. I, (3), 4.
8 Hi. I, 3; M. I, (2), 1 und 2. 9 Ph. VIII, 8 und 9; Hi. I, 2. 10 M. I, (2), 2.