CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 65
heute noch, zweiundzwanzig Jahrhunderte nach ihrer erstenNiederschrift, selbst Fachgelehrten viele und große Rätsel zulösen bieten.
Dies ist der Fall bei den Schriften des Aristoteles.Sogar hinsichtlich der vielgelesensten durfte, unter Allen, dieihnen im Laufe der Zeiten nähertraten, noch keiner die Be-hauptung wagen, er habe die weltumfassende Bedeutung desDargelegten völlig erschöpft, die großen Richtlinien wie ihrefeinen Verzweigungen überall zutreffend herausgefunden, unddie plangemäßen Zusammenhänge allerorten lückenlos auf-gedeckt. Gilt dies aber schon von jenen Lehrgebieten, die,ihrer hohen Wichtigkeit halber, den Gegenstand ausführlicherWerke bilden und auch seit jeher mit besonderem Eifer er-klärt und kommentiert wurden, so wachsen die Bedenken,Wenn es sich nicht mehr darum handelt, den Stand einerDisziplin zu einer bestimmten Zeit festzulegen, sondern An-fängen und Vorahnungen nachzuforschen, denen erst inspäterer Zeit eine Wissenschaft entspringen sollte. Denn nurselten lassen sich hierbei die Umrisse des Bildes gleich ingroßen Zügen gestalten, zumeist aber ist die Aufgabe gestellt,die Lücken des Mosaiks mit kleinen Steinchen auszufüllen,die der Gesamtheit eines ungeheuren, ganz anderen Zweckendienenden, nicht wohlgeordneten, und nicht immer einheit-lichen Materials zu entnehmen, und aus tausendfältigen Zufalls-verbindungen herauszulösen sind. Die Unvermeidlichkeit, aberau ch die Mißlichkeit eines solchen Verfahrens leuchtet ein,Un d notwendigerweise werden ihm mancherlei Mißverständ-"isse und Irrtümer entspringen müssen; diese zu bemerkenUn d zu berichtigen, mag der dankenswerten Betätigung philo-logischen und philosophischen Fachwissens vorbehalten bleiben.
2.
Bald nach dem Tode seines erlauchten Zöglings, Alexanderdes Großen, sah sich Aristoteles, der bis dahin ungestört
v * Lippmann, Abhandl. u. Vortr. II. 5