4
CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 1
Einleitung.
1.
orbedingung für die Abfassung einer Geschichte derChemie im Altertum ist die genaue Feststellung derchemischen Kenntnisse, die sich in den Werken derbedeutendsten antiken Schriftsteller vorfinden, oder aus ihnenzu entnehmen sind. An wirklich brauchbaren Arbeiten indieser Richtung herrscht noch großer Mangel, der sich durchdie geringe chemische Bildung der Philologen, und die ebensogeringe philologische der Chemiker, genügend erklärt: dennzu annehmbaren Ergebnissen kann auf diesem Gebiete nurgelangen, wer die Quellenschriften versteht (wenn auch nurunter Mitbenützung von Hilfsmitteln), und zugleich die Wich-tigkeit ihres Inhaltes zu erkennen und zu beurteilen vermag.Beide Fähigkeiten finden sich heutzutage nur selten in jenemMaße verbunden, das Arbeiten von absoluter Vollendung ver-bürgt, daher wird man sich vorerst in vielen Fällen auch mitsolchen relativen Wertes begnügen müssen, 2 namentlich, wennes sich um Werke eines Autors handelt, die, durch Vielseitig-keit des Inhaltes und durch Schwierigkeit der Form, auch
1 „Archiv für die Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik"
1910, S. 233. Herrn Geheimrat Prof. Dr. Rudolf Kobert in Rostock inaufrichtiger Verehrung dargebracht. 2 S. die Aufsätze über die chemi-schen Kenntnisse desPlinius und Dioskurides (in meinen „Abhandlungenund Vorträgen zur Geschichte der Naturwissenschaften", Leipzig 1906), fernerüber „Chemisches und Physikalisches aus Piaton" (1907; „Journal f. prakt.Chemie" 11, Bd. 76, S. 513, sowie Nr. 3 des vorliegenden Bandes).