CHEMISCHE KENNTNISSE VOR TAUSEND JAHREN 93
Für die Indigopflanze gibt er den Namen „Nileh" an, fürden Indigo selbst den dem Indischen, Persischen und Arabischengemeinsamen «Nil", von dem sich das portugiesische Wort„Anil" für Indigo ableitet, sowie der Namen des aus Indigozuerst gewonnenen Anilins. Ursprünglich bedeutet «Nil" dieblauschillernde Farbe des Indigos, und erst die Perser über-trugen diese Bezeichnung auf den Hauptfluß Ägyptens, dessenschlammige zur Zeit der Hochflut intensiv gelbe Gewässer imSonnenscheine in der komplementären Farbe, also tief dunkel-blau, glitzern; bei den Ägyptern selbst, und auch bei den älterenGriechen, war dieser Namen ganz unbekannt. Nach Loret 1ist übrigens der Indigo auch in Ägypten einheimisch und wächstdort noch jetzt an manchen Plätzen wild; die altägyptischenInschriften benennen ihn „ti-nkon", und hieraus dürfte durcheinen etymologischen Irrtum der griechischen und römischenAutoren deren ,,'IvSixöv« und »Indicum" entstanden sein, welcherNamen wieder zu der Meinung Anlaß gab, als Ursprungslanddes Farbstoffes sei ausschließlich Indien in Betracht zu ziehen.
13. Das Eiweiß ist ein Bestandteil des Eies und besitzteine große Neigung zur Kälte, d. h. zum Gerinnen, so daß esschon bei mäßiger Wärme fast, und bei höherer ganz unlöslichwird; es gleicht dann dem gekochten Fleische sowie dem Leimoder Fischleim und wird nur durch die von den tierischenMägen abgesonderten eigentümlichen Flüssigkeiten gelöst, diedas Gleiche auch gegenüber geronnener Milch, gestocktemBlute u. s. f. vermögen. Das Eiweiß wird in der Medizin viel-fach angewandt, äußerlich und innerlich; es ist sehr nahrhaftund blutbildend, daher genießen es vor allem solche, dieschwere körperliche Arbeit zu verrichten oder sich anhaltendzu bewegen haben.
14. Gifte sind im Pflanzenreiche ebenso verbreitet wie im
1 „l'Egypte au temps des Pharaons" (Paris 1889, S. 177). Wenigerbestimmt spricht sich Woenig aus („Die Pflanzen im alten Ägypten",Leipzig 1897, S. 353).