92 CHEMISCHE KENNTNISSE VOR TAUSEND JAHREN
10. Von den Fetten ist das edelste das Olivenöl, so langees frisch und nicht sauer oder ranzig ist; andere Öle, die teilsals Genuß- teils als Heilmittel dienen und im ganzen demOlivenöl gleichen, sind das süße Mandelöl, das Sesam-, Behen-,Kokosnuß- und Rizinusöl, sowie das Nuß- und Leinöl, undendlich das Eieröl und das fette Öl der Milch, die Butter. DieMilch enthält nämlich dreierlei Essenzen, und zwar in sehrwechselnden Mengen: eine käsige, die sich beim Koagulierenund bei Zusatz von Säure ausscheidet, eine fettige, die dieButter darstellt, und eine schließlich verbleibende wässerige, dasSerum.
Den Fetten ähnlich und gleichfalls zu Einreibungen undSalben dienlich, ist das Wachs, der heilsame Schweiß der Schaf-wolle (Lanolin), und das „Mumia" genannte Erdwachs. AusFetten wird auch Seife bereitet; doch sind die in Persienwachsenden Seifenpflanzen ebenfalls zum Waschen und Reinigenvon Kleidern und Teppichen gebräuchlich.
11. Von ätherischen Ölen führt Mansur eine großeAnzahl an, die teils ausgepreßt, teils mittelst Olivenöl ausgezogen,teils durch Destillation gewonnen und als Heilmittel sowie als»flüchtige Öle des Wohlgeruches" verwendet wurden. Er er-wähnt u. a.: das Öl der Zitronenschalen und -kerne, das giftigeÖl der bitteren Mandeln und Pfirsichkerne, das Croton-, Senf-und Rettigsamenöl; ferner das Absinth-, Anis-, Basilikum-, Dill-,Fenchel-, Jasmin-, Kamillen- und römisch-Kamillen-, Kümmel-,Lavendel-, Lorbeer-, Majoran-, Myrthen-, Narden-, Nelken-,Pfefferminz-, Rauten-, Rosen-, Schoenanthus-, Thymian-, Veil-chenöl u. s. f.
12. Der Farbstoffe des Pflanzenreiches gedenkt Mansurmeist nur in Hinsicht auf ihren pharmakologischen Gebrauch,und zwar nennt er die Säfte der Akazie (Nil-Akazie), Alkanna,Curcuma, des Färberkreuzdornes (Rhamnus infectorius), Gelb-holzes, Indigos, Krapps, Safrans, Safranbaumes (Memecylontinctorium) und Safflors.