Druckschrift 
[1] (1906)
Entstehung
Seite
86
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

86 CHEMISCHE KENNTNISSE VOR TAUSEND JAHREN

bar ist der Salmiak, der scharf und salzig schmeckt, und sehrkühlend wirkt. Auf eine unbestimmte Bekanntschaft mit demAmmoniak scheint das über die reinigenden Wirkungen desHarnes Vorgebrachte hinzuweisen.

Das Salz findet sich in reinster Form als Steinsalz, in un-reiner als Kochsalz, und zieht, je nach der Natur der ihm bei-gemengten Teile, die Feuchtigkeit leicht an; als Heilmittel be-rühmt ist das rotbraune indische Salz, und das Naphtha-haltigepersische; Salz enthalten auch viele Quellen, vor allem aber dasMeer, in dem es durch die Wirkung der Sonne, die nur dieleichtesten Teilchen des Seewassers an sich zieht, allmählichangehäuft wird.

Der Kalk wirkt gebrannt in außerordentlichem Gradeerhitzend, ätzend und giftig; er zerstört Fleisch, Haut und Haare,und wird deshalb den Depilatorien zugesetzt; von sanftererWirkung ist die Kalkmilch. Dem Kalke ähnlich verhält sichder Gips, der sich auch ebenso wie jener brennen läßt, undmit Eiweiß gemischt zur Behandlung von Brandwunden sowieals Brei zur Heilung von Knochenbrüchen große Dienste tut.Diese Erwähnung der äußerlichen Anwendung des Gipses istdie erste in der Geschichte des für die Chirurgie so überauswichtigen Gipsverbandes, der erst in neuerer Zeit (1852) durchholländische Ärzte wieder in die medizinische Praxis eingeführtwurde.

Der Magnesit ist weiß oder gelblich, oft silberweiß glänzend,und erweist sich besonders nützlich als Augenpulver; das näm-liche gilt vom Meerschaum (wesentlich kieselsaures Magnesium).

3. Vom Arsen kennt man drei Arten, die sämtlich durchWärme verbrannt oder verflüchtigt werden können, und zwarfurchtbare Gifte, aber in kleinen Mengen doch zu medizinischenZwecken verwendbar sind; sie unterscheiden sich durch ihreFarbe, denn die erste ist gelb (Auripigment), die zweite rot(Realgar), die dritte weiß. Die beiden Arsensulfide waren schonim Altertume bekannt; über das reine weiße Arsenigsäure-