CHEMISCHE KENNTNISSE VOR TAUSEND JAHREN 85
Schriften des um ein Jahrtausend älteren Hippokrates oderseiner Schüler ebenfalls von schweren und leichten Wassernsprechen, so bleibt eine solche Annahme für die älteren Zeitenganz ausgeschlossen, für die späteren mindestens ungewiß.Bei Hippokrates findet sich auch schon ein Hinweis auf dieKondensation der Wasserdämpfe, während bestimmtere Angabenüber die Gewinnung süßen Wassers aus Meerwasser erst beiAristoteles und seinem Kommentator Alexander von Aphro-disias auftauchen; zu pharmazeutischen Zwecken wurde destil-liertes Wasser nachweislich erst im 10. Jahrhundert benützt, undMansur benennt es mit dem arabischem Worte „Alrak" oder»Arrak", = „das Übergeschwitzte".
2. Von Alkalien und alkalischen Erden erwähnt Mansurunter dem Namen Natrün das mehr oder wenig reine, natür-lich vorkommende kohlensaure Natron, und bezeichnet es alseine Abart des Buraq oder Borax; dieses Wort diente seitaltersher als Sammelname für das mineralische Alkali, denn dieZusammenstellung „Neter und Borit" (Natron und Borax) istbekanntlich schon in der heiligen Schrift zu finden. Natrün isteine weiße, poröse, harte Masse von sehr salzigem Geschmacke,und entfaltet „scharfe und reinigende" Wirkungen. In ähnlicherWeise äußern diese aber auch die Aschen gewisser Pflanzen,z. B. der Rübe, des Schilfrohres, des Papyrus, und namentlich dessogenannten Alkalikrautes, von dem es verschiedene Abarten gibt;beim Verbrennen hinterlassen diese Pflanzen Qualja (Kali), einWasser anziehendes, trocknend und reinigend wirkendes Salz vonbitterem, ätzendem, brennendem Geschmacke, das für sich, odermit Essig gemengt, als wichtiges Heilmittel dient. Der Reaktionzwischen Essig und Soda gedenken schon die SprichwörterSalomonis; für die scharfe Unterscheidung des kohlensaurenNatriums und Kaliums, verbunden mit der Benennung durchdie beiden verschiedenen, bis auf den heutigen Tag erhaltenenNamen, dürfte aber M a n s u r die älteste bisher bekannte Quelle sein.
In mancher Hinsicht dem Natrün (d. h. der Soda) vergleich-