CHEMISCHE KENNTNISSE VOR TAUSEND JAHREN 83
Metallvergiftungen findet. - Die Kohle bleibt beim Verbrennenpflanzlicher und tierischer Stoffe als schwarze Masse zurück;daß sie als Diamant auch kristallisieren kann, weiß Mansurnatürlich nicht, doch kennt er den Diamanten sehr wohl, undbeschreibt ihn als einen meist dreikantigen, dem Bergkristallähnlichen, alle anderen Mineralien an Härte übertreffendenStein von heftigen Giftwirkungen, die namentlich an der Leberhervortreten. Letztere Angabe hängt vermutlich damit zusammen,daß schon seit dem Altertume her (und bis in die späte Neu-zeit hinein) die Leber als ein Hauptsitz der Körperwärme undaller auf „Heißblütigkeit" zurückgeführten Eigenschaften galt,während man hingegen den Edelsteinen, wie dies Mansurauch vom Smaragd, Jaspis, Hyacinth u. s. f. berichtet, eine ganzaußerordentlich „kalte Natur" zuschrieb, so daß die einen über-haupt nicht zu erwärmen seien und selbst höchster Feuersgluttagelang widerständen, die anderen nur von einzelnen besonderskräftigen Mitteln bewältigt würden, z. B. vom Blute des Bockes,das man, wegen der heftigen sinnlichen Begierden dieses Tieres,für ganz besonders „hitzig« hielt; Mansur führt, als solche„Feinde" des Diamants, den Saft der indischen Pflanze Asclepiasgigantea an, sowie das Blei, zwei Mittel, die (letzteres in „ge-branntem" Zustande) als von besonders heißer Beschaffenheitangesehen wurden. - Die Kieselsäure kennt Mansur inGestalt des sogenannten Tabaschir, jener merkwürdigen, inden Knoten der Bambushalme als milchige Flüssigkeit aus-geschiedenen, allmählich völlig erhärtenden Masse, die imindischen Arzneischatze seit jeher eine sehr wichtige Rollespielte; 1 vom Glase spricht er nur sehr vorübergehend, undsetzt seine Bestandteile jedenfalls als bekannt voraus. - DasWasser zeigt die merkwürdige Eigenschaft, durch die Gewaltdes Feuers nicht eingedickt werden zu können, und wird durchdiese seine Flüchtigkeit und Flüssigkeit, obwohl es selbst keinNährstoff ist, zu einem unentbehrlichen, und als Vehikel anderer
1 S. meine „Geschichte des Zuckers" (Leipzig 1900, S. 76 ff.).
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