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Digitalis.
and August blühenden Pflansse, trocknet sie an einem schattigen Orte zunächst an derLuft, dann bei einer Wärme von höchstens 30° C. lind bewahrt sie in dicht schliessendenBlechbüchsen auf. Holzfässer oder gar Säcke bieten keinen genügenden Schutz gegenLuft, Licht und Feuchtigkeit und sind hier als Aufbewahrungsgefässe nicht geeignet.
Wer nicht in der Lage ist, die Digitalis selbst sammeln zu lassen, beziehe dieselbevon Apothekern in Gebirgsgegenden, oder von durchaus zuverlässigen Drogenhäusern undauch dann am besten in unzerkleinertem Zustande! Man durchmustert jede Sendung ein-gehend, entfernt missfarbige Theile oder zweifelhafte Beimengungen, und achtet auf dieweniger wirksamen Blätter der angebauten Pflanzen. Dnrch Keibeu auf einem Drahtsiebc,wobei die gröberen Rippen zurückbleiben, welche verworfen werden, verwandelt man dieBlätter in eine feine Species für Aufgüsse, oder nach kürzerem Nach trocknen über Aetz-kalk in ein feines Pulver und bewahrt beide Zerkleinerungsformen in gelben, dicht ver-schlossenen Hafengläsern auf. — 5 Th. frische Blätter geben 1 Th. trockene; das Pulvernder letzteren bedingt einen Verlust von 10—12 Proc.
Digitalisblätter sind vorsichtig, vor Licht geschützt, aufzubewahren und jährlich zuerneuern; die älteren Vorräthe werden am besten verbrannt. Yergl. vorige Seite.
Wirkung und Anwendung. Die Wirkung ist hauptsächlich auf das Herz ge-richtet. Durch kleine Dosen wird nach vorübergehender Beschleunigung die Pulsfrequenzherabgesetzt und der Blutdruck erhöht infolge erhöhter Energie der Herzkontraktionenund gleichzeitiger Verengerung der peripherischen Gefässe. — Grössere Dosen erzeugenPulsbeschleunigung durch Lähmung der Hemmungsapparate und Verminderung des Blut-druckes. — Sehr grosse Dosen bewirken schnellen, unregelmässigen, kleinen Puls undführen zur Lähmung des Herzmuskels selbst. — Auf die Diurese wirkt bei gesundenMenschen Digitalis nicht ein, wohl aber bei bestehenden, organischen Herzfehlern. — Beigrösseren Dosen wird die Körpertemperatur erniedrigt. — Digitalis besitzt kumulative Wir-kung, bei wiederholter Darreichung kleinerer Dosen kommt es zu Intoxikationser-scheinungen: Erbrechen, Kopfschmerz, verlangsamter Puls, Schwindel, Hallucinationen,Diarrhoe, Kälte und Schwächegefühl. — Der Tod kann durch Herzlähmung unter Konvul-sionen erfolgen.
Man verwendet sie hauptsächlich bei Herzerkrankungen, als Diureticum bei Wasser-sucht infolge von Kompensationsstörungen bei Herzerkrankungen, als die Pulsfrequenzherabsetzendes Mittel bei fieberhaften Krankheiten, bei Lungenentzündung etc., bei akutemRheumatismus zur Bekämpfung der denselben komplicirenden Herzerkrankungen.
Man giebt Digitalis innerlich in Pillen, Pulvern oder als Infusum 1,5—2,0:150,0,bisweilen auch, wenn letzteres nach längerem Gebrauch nicht mehr vertragen wird, inkoncentrirter Form als subkutane Injektion. In diesem Fall ist der Aufguss natürlichdurch Papier zu filtriren. Bei Herstellung der Aufgüsse soll ein Kochen mit Rücksichtauf die Zersetzbarkeit der Glukoside unterbleiben. Nach Benyschek ist die heisse Perko-lation das beste Verfahren zur Bereitung gehaltreicher, wässriger Auszüge. Dieselbenhaben die Eigenthümlichkeit, leicht zu gelatiniren; man hat das einem reichlichen Pektin-gehalte, besonders einjähriger Blätter, zugeschrieben. Gegenwärtig wissen wir, dass Bak-terien die Ursache sind, nämlich Bacillus gummosus Ritsert (Bacillus gelatinogenusBräutigam), und dass der Schleim durch Umwandlung des im Infusum befindlichen Rohr-zuckers entsteht. Solche' gelatinirte Infusa dürfen nicht verwendet werden. Alkalien,Gerbsäure, Metallsalze, Jod sind mit Digitalisarzneien unverträglich.
Grösste Einzelgabe: Germ. Helv. 0,2 g Austr. 0,2 g Brit. 0,12 g„ Tagesgahe: „ „1,0g „ 0,6 g.
Grösste Tagesgabe im Aufguss nach Helv. 2,0 g. Für Kinder rechnet man 0,05 gaufs Lebensjahr als Höchstgabe ( Biedert.).
Für Thiere: 2,0—12,0g für Pferde und Rinder; 0,1—1,0g für Schafe und Ziegen;0,05—0,3 g für Hunde.
Digitalis und ihre Zubereitungen eind dem freien Verkehr entzogen und dürfen nurgegen ärztliche Verordnung abgegeben werden.