Dem aufrichtigen Leser Heil!
Die Apotheker pflegten sich ferner aus verschiedenenAutoren einen solchen Wust von Arzneien zur Bereitung vor-zuschreiben, daß sie kaum mit gleicher Umsicht und Aus-dauer in der so kurzen Spanne, wo der Zeitpunkt geeigneterist, dieselben sowohl zu bereiten wie ordnungsmäßig herzurichtenimstande waren.
Hiezu kommt noch der Umstand, daß unsere Apothekernur handschriftliche Dispensatorien, nach welchen sie die Arzneienherzurichten pflegten, in den Offizinen hatten, daher manberechtigterweise fürchten mußte, es könnte irgend ein durchdie Sorglosigkeit des Abschreibers bei der Zusammensetzungder Arznei begangener Irrtum einen ebensolchen gar nichtgering zu achtenden Fehler dem Arzte zur Schande, dem Krankenzur Gefahr, erzeugen.
Aus diesen und ähnlichen Gründen gab vor vier JahrenKaiser Ferdinand hochseligen Angedenkens anläßlich der neuenApothekerordnung gleichzeitig den Auftrag, es solle ein ge-meinsames Dispensatorium verfaßt, von unserer Fakultät durch-gesehen und verbessert, allen Apothekern dieser Stadt vor-gelegt werden, welches sie gewissermaßen als gemeinsameNorm ansehen und nach dessen Vorschrift sie die Arzneienzubereiten könnten.
Diesem Befehle mit geziemender Ehrfurcht folgend, habenwir nun zwar nicht nach eigenem Gutdünken eine ganz neue,aber doch einheitliche, bestimmte und allgemeine Dispensier-form aus den besten Autoren zusammengestellt und jene Vor-schriften hinzugefügt, welche teils durch unsere ärztlichen Vor-gänger seit langer Zeit gebräuchlich waren, teils auch von unsauf Grund der Erfahrung erprobt wurden.
So hoffen wir denn, daß, wenn durch dieses unserStreben und Unternehmen gar nichts anderes erzielt wordensein sollte, so doch wenigstens gewisse vorher beobachtetel beistände nunmehr verhütet werden können und weder einZweifel über die Form einer Zusammensetzang besteht, nochein Dehler in der Handschrift zu besorgen ist, sondern man der