Vitis vinifera Linn. Spec. pl. ed. I. 202; Jacq. Icon. pl. rar. I. 50; Allion. Fl. Pedem. II. 124; Gärtn.Fr. II. t. 106; Woodv. Med. pl. I. t. 57; Lam. Illustr. genr. I. t. 134; Sibth. Fl. Graec. III. t. 242;P. DC. Prodr. I. 633; Mert. u. Koch, Beutsclil. Fl. II. 278; Hayne, Arzneigew. X. t. 40; JVees, Düsseid.Abbild, t. 369—370; Guimp. u. Schlecht. Fl. Pliarmac. II. t. 140, 141; Babo u. Metzger, Weinstock, t.1—54; Berg u. Schmidt, Dar stell, u. Beschreib, t. XVIII a ; Köhler, Medizinalpß. t. 51; Ledeb. Fl. Itoss.I. 458; Godr. et Gren. Fl. Fr. I. 323; Willk. et Lange, Prodr. Fl. Hisp. III. 567; Boiss. Fl. orietit. I.955; Parlat. Fl. ltal. V. 482; Bentl. and Trim. Med. pl. t. 66; Battand, et Trab. Fl. dl Alger I. 171 ;Flück. and Hanb. Pharmacogr. 140; Baill. Bot med. II. 1326. ßg. 3315; Plancli. in Suites au prodr. V. 21.
Der holzige, reich verästelte Strauch steigt in wildem Zustande hoch in die Bäume oder kriecht amBoden hin und sendet zahlreiche aufstrebende Äste aus. Der Stamm erreicht bisweilen die Dicke einesMannesarmes und ist mit einem braunen, langfaserigen Periderm bedeckt; das zähe, biegsame, bräunlicheHolz enthält sehr weite Gefässe und zeigt breite Markstrahlen, an jüngeren Ästen ist es grün. Die Ästesind stielrund, stark gestreift, an den Knoten verdickt, gerade oder zickzackförmig gebrochen. Sie sindvon zweierlei Art, da Langtriebe [Loden oder Lotten ) mit Kurztrieben ( Geizen ) in regelmässiger Folgewechseln. Jene beginnen mit mehreren regelmässig zweizeilig gestellten Blättern und geben dann in einemeist zweitheilige Bänke aus, deren einer Arm von einem schuppenförmigen Deckblatte gestützt wird;aus der Achsel des obersten Blattes entspringt ein Seitenzweig, der nur ein Blatt erzeugt und wieder ineiner Bänke endet, worauf aus der Blattachsel ein neuer, aber zweiblättriger Zweig hervorgebracht wird,diese Abwechslung von ein- und zweiblättrigen Zweigen kann sich noch mehrfach wiederholen. Dabeiwirft (der kräftige Seitenstrahl das jeweilige Zweigende (die Bänke) bei Seite und stellt sich in dieRichtung der Mutteraxe. Auf diesem Wege entsteht ein gerades oder etwas geknicktes Sympodium,welches die Ranken in blattgegenständiger Anordnung trägt. Unter jedem der Sympodialglieder steht wiein den Achseln der unteren Blätter eine Beiknospe, welche die Geize darstellt. Die Knospe aus demuntersten schuppigen Blatte derselben wird zur Lotte des folgenden Jahres.
Die Blätter sind streng zweizeilig angereiht, welche Stellung ich als durch die Anwesenheit derverhältnissmässig grossen, schiefen, lineal oblongen oder fast eiförmigen, spitzen, bald abfallenden Neben-blätter begründet nachgewiesen habe. Die in der Mitte während der Knospenlage gefalteten Blätter sindwie die jungen Zweige mehr oder weniger filzig behaart, später verkahlen sie bisweilen vollständig; siesind lang (bis 10 cm) gestielt, der Stiel ist etwas kantig, gestreift und wird oberseits von einer Regenrinnedurchzogen. Die lebhaft grüne, krautige Spreite erreicht eine Länge von 15 cm und ist ebenso breit,ihr Umriss ist herzfürmig, meist ist sie tief drei- bis fünf lappig, bei Culturformen aber ist sie bisweilenviellappig (Petersilienwein). Der Rand ist sehr grob einfach und doppelt gesägt, von dem oft mit einemfilzigen Knopfe versehenen Grunde strahlen 5 gerade oder bogenförmig gekrümmte stärkere Nerven aus,während der grösste Mittellappen von 5—6 Paar Fiedernerven durchzogen wird. Die Unterseite ist häufig,besonders in den Nervenachseln wollig behaart (hier liegen die Domatien, Wohnräume für Blattmilben).
An dem unteren Theile der Langtriebc sitzen an Stelle der Ranken 2—5 Blutkenstände, so dassjene den letzteren morphologisch homolog gesetzt werden müssen; der unterste Strahl der vielblüthigenRispe ist häufig noch als der von der Schuppe gestutzte Rankenast zu erkennen. Zuweilen trägt derselbeauch einzelne Blüthen. Die Rispe wird von einem 4—6 cm langen Stiel getragen, ist pyramidenförmigund die Seitenstrahlen, welche durch häutige, eiförmige, abfällige Deckblätter gestützt werden, sind eben-falls zweizeilig angereiht; ihre Länge beträgt 5—8 cm, bisweilen auch mehr. Die Seitenstrahlen sindwiederum kleine Rispen, die sich oben zu Trauben vereinfachen; die kurzen Zweigchen der Rispe stellenTrauben mit Gipfelblüthen dar, die häufig in dichasischer (d. h. dreigabliger) Verbindung endigen.
Die gelblichgrünen, sehr wohlriechenden Blüthen werden von sehr kleinen, schuppigen Deck-blät tern gestutzt, sind verhältnissmässig lang gestielt, fünfgliedrig und zwittrig. Der grüne Kelch istbecherförmig, gezähnt und kaum 1 mm lang. Die Blumenblätter sind spathelförmig, oben kappen-förmig zusammengezogen und an der Spitze eingebogen, so dass die Knospe fast fünflappig erscheint;mit den nach innen geschlagenen Rändern decken sie klappig und haften so fest zusammen, dass sie sich