8. Familie: Vitaceae Lindl.
Die Blüthen sind zwittrig oder durch Fehlschlag getrennt geschlechtlich, meist fünf- bisweilen aberauch vier- bis sechsgliedrig, vollständig. Der Kelch ist klein gezähnt, bleibend. Die Blumenblätterschliessen in der Knospe klappig zusammen und sind abfällig. Die Staubgefässe sind mit ihnen gleich-zählig und stehen vor ihnen; sie sitzen unterhalb des Fruchtknotens; mit ihnen wechseln häufig 5 kurze,blattartige, Honig absondernde Drüsen, die frei oder mit einander verwachsen sind; die Beutel sind inder Knospe eingeschlagen und springen mit nach aussen gewendeten Längsspalten auf. Der Stempel istoberständig, bisweilen einer Honig absondernden Scheibe aufgesetzt; Fruchtknoten zwei- bis mehrfächrig,in den zweifächrigen finden sich 2 aufrechte anatrope Samenanlagen, deren Raphe rückenständig ist;in den mehrfächrigen umscliliesst das Fach je eine Samenanlage. Die Frucht ist beerenartig, zwei- bissechsfachrig, oft sehr saftig und enthält einen oder mehrere Samen mit steinharter Schale; der Keimlingist klein und liegt am Grunde des hornartigen Nährgewebes. —
Aufrechte Stauden oder viel häufiger mit Ranken kletternde, kahle oder behaarte Sträucher, sehrselten succulente Pflanzen mit verdickten Knoten; Blätter meist zweizeilig abwechselnd oder paarig ge-nähert, gestielt, mit Nebenblättern versehen, einfach oder gefingert, seltener gefiedert. Bltithen klein,grünlich, selten roth, in blattgegenständigen Rispen.
An 400 Arten in 10 Gattungen über die wärmeren Gegenden der ganzen Erde verbreitet, sie dringenbis in die kältere gemässigte Zone vor.
Anmerkung. Über den Umfang der Gattungen herrschen noch heute bei den verschiedenen Botanikern sehr ab-weichende Ansichten. Während die Engländor nach dem Vorgänge von Bentham nur sehr wenige anerkennen, hat Planchondie grosse Gattung Vitis in 10 kleinere aufgelöst, welche sich durch feinere Merkmale unterscheiden.
VITTS Linn.
Blüthen zwittrig oder einzelne durch Fehschlag nur männlich; aktinomorph fünf- bis sechsgliedrig.Kelclf napfförmig, gezähnt. Blumenblätter an der Spitze kappenförmig verbunden, am Grunde frei, imZusammenhang abgeworfen. Staubgefässe frei; Beutel in der Knospe nach innen geschlagen, mit nachaussen gewendeten Längsspalten aufspringend, bald abfallend. Honigdrüsen flach, zwischen den Staubge-fässen stehend. Fruchtknoten zweifächrig, die Fächer nicht immer vollkommen gesondert, in jedem zweiSamenanlagen; Griffel kurz, Narbe fast schildförmig. Beere kugelförmig oder ellipsoidisch mit 1—4 kreisei-förmigen Samen, die bisweilen völlig (in gewissen Culturformen) fehlschlagen; Samenschale steinhart. —Hochaufsteigende, mit gespaltenen Ranken kletternde Lianen, mit einfachen ganzen oder gelappten Blättern.Blüthen in reichen Rispen.
28 Arten in den nördlich gemässigten Gegenden beider Hemisphären.
Yitis vinifera Linn.
Tafel 92.
Eine durch blattgegenständige, verästelte Ranken kletternde Liane mit kahlen oder behaarten, herz-förmigen, gelappten und grob gesägten Blättern; Beere grün, gelblich, röthlich oder blau, sehr saftig,kugelförmig od. ellipsoidisch.
Berg u. Schmidt, Officinelle Gewächse. II.