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2 (1896) Die Choristopetalen. 1
Entstehung
Seite
72
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gestielte Bliithen. Die Hülle besteht gewöhnlich aus 56 schmalen, rückwärts geschlagenen, kaum34 mm langen, häufig bald vertrocknenden, manchmal aber auch um die Hälfte längeren, dauerhafterenBlätteben. Das Hüllchen ist fast um die Hälfte kürzer, es besteht aus 35 nach aussen gestellten, untereinander verwachsenen grünlichen, am Rande weisshäutigen Blättchen.

Der Fruchtknoten ist zur Blüthezeit etwa 1,5 mm lang und 1 mm breit; er ist seitlich zusammen-gedrückt, an der Berührungsseite der beiden Fruchtblätter deutlich eingezogen; jedes der letzteren wirdvon 5 meist etwas knotig gegliederten Rippen durchzogen.

Der Kelch ist nur sehr undeutlich in der Form eines niedrigen Wulstes entwickelt. Die weissen,ein wenig ins gelbliche fallenden, umgekehrt ei- oder spateiförmigen Blumenblätter sind an der Spitzenur wenig eingebogen, sie sind etwa 2 mm lang, die äusseren an den randlich stehenden Blüthen sindetwas länger. Die Staubfäden sind weiss, eingebogen, meist länger als die benachbarten Blumenblätter;die fast kreisrunden, oben und unten ausgerandeten Beutel sind hell schwefelgelb, dithecisch und springenmit 2 Längsspalten auf. Die ellipsoidischen Pollenkörner werden von drei Längsfalten durchlaufen. DasGriffelpolster ist durch eine Furche in 2 Theile zerlegt; die Griffel sind entweder sehr kurz, aufrechtund tragen eine gestutzte, kaum empfängnissfähige Narbe, oder sie sind beträchtlich länger, zurück-gebrochen und haben eine kopfförmige Narbe.

Die Frucht hat eine Länge von 2,53 mm und eine Breite von 22,5 mm; die Theilfrüchtchenlösen sich leicht von dem nicht gespaltenen Fruchtträger ab; sie sind von dem Griffelpolster und demGriffel gekrönt, an der Bertihrungsseite etwas gekrümmt und werden von 5 Hauptrippen durchzogen,welche sich durch etwas hellere Farbe von der braungrünen Frucht abheben und durch eine leichte, knotigeGliederung auszeichnen. Olstriemen in der für viele Umbelliferen charakteristischen Vertheilung fehlen,dafür liegt dem Nährgewebe eine zusammenhängende Schicht längs gestreckter, heller Zellen auf, welchedas ätherische Ol und Coniin enthalten.

Der Same ist mit der Fruchthaut verwachsen; er hat ein reichliches auf der Berührungsseite miteiner tiefen Längsfurche versehenes Nährgewebe und umschliesst in dem oberen Ende den kleinen Keim-ling mit stumpfen Keimblättern.

Anmerkung. Der gemeine Schierling zeigt manche Abänderungen, von denen uns diejenige mit ungekerbten,glatten Rippen (var. leioearpa Boiss.) die wichtigste zu sein scheint. Von ihr können wir die unter dem Namen Coniumchaerophylloides Eckl. et Zeyh. aus dem Caplande beschriebene Pflanze nicht unterscheiden; noch weniger bemerkenswerthist die var. divaricata Boiss. mit mehr spreizenden Blüthenstandszweigen und etwas breiteren Blattabschnitten.

Der Schierling ist vielleicht wie viele Schuttpflanzen in Europa eingeführt; sicher ist er erst in derneueren Zeit an vielen Orten in Nord- und Süd-Amerika eingebürgert worden; wir sahen ihn aus derRepublik Argentina, aus Brasilien, Chile etc. Gegenwärtig gehört er zu den in Deutschland zwar ver-breiteten, aber durchaus nicht überall gemeinen Pflanzen; im nördlichsten Russland fehlt er, sonst aberfindet er sich durch ganz Europa, in Nord-Afrika, Abyssinien und am Cap; in Asien ist er bis Persien undSibirien nicht selten, hier bewohnt er aber in den südlicheren Gegenden nur die Gebirge.

Die getrockneten Blätter und Sprossspitzen der blühenden Pflanze finden als Herba Conii medicinischeVerwendung.

Erklärung der Abbildungen.

Fig. A. Oberer Theil einer blühenden Pflanze.

Fig. B. Ein Blattfiederpaar.

Fig. C. Ein Döldchen, 3mal vergrössert: a. Hüllchen.

Fig. D. Die Blüthe vom Döldchenrande, lOmal vergrössert:f. das Blumenblatt; g. das Staubgefäss.

Fig. E. Der Stempel einer männlichen Blüthe, 12mal ver-grössert: b. der Fruchtknoten; e. der Kelchwulst;h. das Griffelpolster; i. die kurzen Griffel.

Fig. JE. Der Stempel der Zwitterblüthe.

Fig. F. Derselbe, im Längsschnitte, 15mal vergrössert:c. die Berührungsfläche der beiden Fruchtblätter.

Fig. G. Derselbe, im Querschnitte, 12mal vergrössert: d. dieSamenanlage; k. die Rippen; l. die Thälchen.

Fig. S. Ein Blumenblatt, 15mal vergrössert.

Fig. I. Das Staubgefäss aus der Knospe, von innen undvon aussen betrachtet, 20mal vergrössert.

Fig. K. Dasselbe, aufgesprungen.

Fig. L. u. M. Die Pollen trocken und im Wasser, 250malvergrössert.

Fig. N. Die Frucht in natürlicher Grösse.

Fig. O. Dieselbe, 8mal vergrössert: m. die Theilfrüchte,

Fig. P. Dieselbe im Querschnitte, 12mal vergrössert: o. dieölführende Schicht; p. das Nährgewebe; r. derKeimling.

Fig. Q. Ein Theilfrüchtchen im Längsschnitte, 8mal ver-grössert: r. das Würzelchen; s. die Keimblätter.