kaum 1 mm messenden Fäden versehenen Staubgefässen zusammengesetzt, deren Beutel von breit ellip-tischer oder fast umgekehrt herzförmiger Gestalt, am Grunde befestigt sind und an den Seiten mit Längs-spalten aufspringen; die Pollenkörner sind äusserst klein, kugelrund, glatt und mit drei Poren versehen,der Rest eines Stempels ist nicht zu sehen. Die weiblichen Blüthenstände sind ebenfalls, gewöhnlichaber etwas kürzer gestielt. Der unterständige Fruchtknoten ist 2fächrig und umschliesst viele (18—20)anatrope, hängende Samenanlagen, die an der ganzen Scheidewand oben in 2, unten in 3 Reihen befestigtsind. Jene sind in ihrer Gesammtheit zu einem vielfächrigen Körper verschmolzen. Ihre Höhlung ragtkaum über die Oberfläche des Mittelkörpers hervor, von dem aus sich für jeden Fruchtknoten 2 horn-förmige, fleischige, 3—4 mm lange, nach oben sich pfriemlich verjüngende, an der Spitze spiralig ein-gerollte Griffel erheben, die auf der etwas abgeflachten Innenseite Narbenpapillen tragen. Die Griffelwerden von einem fleischigen, dünnen, etwas gelappten Ringe umgeben, auf dem, wie es scheint in derRegel vier fleischige, eiförmige, spitze, auf der Innenseite zweispaltig aufspringende, aber keinen Pollenenthaltende Staubgefässrudimente sitzen. Dieser Ring wird für den Kelch gehalten.
Die Frucht ist ein 2 cm im Durchmesser haltendes Köpfchen, welches durch die verhärteten Resteder Griffel igelstachelig erscheint. Sie enthält sehr viele Doppelfächer, welche sich an der Spitze zwei-klappig öffnen, indem die Griffelreste auseinander treten.
Die Samen sind in geringerer Zahl in jedem Fache, als ehedem Anlagen waren, enthalten; gewöhn-lich finden sich nur 4—6; sie liegen dachziegelig übereinander und sind durch den gegenseitigen Drucksehr unregelmässig gestaltet; doch herrscht die oblonge oder subquadratische Form vor; ihre Länge be-trägt etwa 1 mm, die Breite etwas weniger; ein am oberen Ende befindlicher, meist sehr kurzer Flügelist an der Spitze gestutzt; die Farbe ist ein glänzendes gelbliches Braun. Der Keimling ist wenig kürzer,als der Samenkörper, er liegt in einem spärlichen Nährgewebe und trägt an dem kurzen Würzelchen dieoblongen, stumpfen, blattartigen Keimblätter.
Der Storaxbaum wächst, dichte Wälder bildend, an der Küste von Kleinasien in den alten Land-schaften Lycien und Karien; besonders sind die Gegenden um die Ortschaften Mughla, Ulla und Mermeridjegegenüber den Inseln Kos, Simi, Rhodos durch sein Vorkommen berühmt; auch um den Golf von Alexan-drette (das heutige Iskenderün) wurde er gesammelt, dagegen ist er von den Inseln des Archipels bisheute nicht bekannt.
Anmerkung. Nach einem äusseren Merkmale ist der orientalische Storaxbaum von dem amerikanischen(.Liquidambar styracißuum L.) zuweilen nur sehr schwer zu unterscheiden; wenn schon der letztere gewöhnlich durch langzugespitzte, nicht gelappte Blattabschnitte erkennbar bleibt. Offenbar ist jener ein direkter Abkömmling der im TertiärUber die gesammte nördliche Erdhälfte verbreiteten Stammart, von welcher L. styracißuum kaum unterscheidbar ist. Dasletztere wächst ausser in Amerika bis Mexico, auch noch in Süd-China und auf Formosa.
Durch Auskochen und Pressen der von der Borke befreiten Rinde von Liquidambar Orientale wirdder Storax, Styrax liquidus gewonnen.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. A. Blühender Zweig eines weiblichen Baumes.
Fig. B. Blühendes männliches Zweigchen.
Fig. C. Das weibliche Köpfchen, doppelt vergrössert.
Fig. D. Ein männliches Ahrchen von Liquidambar styraci-
ßuum L., 6mal vergrössert.
Fig. E. Same von derselben Pflanze, im Längsschnitt, 30malvergrössert.
Fig. F. Same von L. Orientale Mill., ebenso vielmal ver-grössert.
Fig. G. Same von L. styracißuum L. den nicht entwickelten
Samenanlagen angepresst.
Fig. H. Keimling derselben Pflanze.
Anmerkung. D — II sind Copien aus Niedenzu 1. c., da uns Material zu Originalzeichnungen fehlte.