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2 (1847)
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trägt) die grösste, dem rationellen Empiriker kaum glaublicheAbkürzung des diagnostischen Probeprozesses.

Es ist doch wahrlich ein grosser Unterschied, ob ich in50 ergriffenen Körpern die Krankheit bei jedem einzelnendurch mehre nach einander gereichte Probemittel erkennenmuss, oder ob bei 49 das erste Probemittel sich schon alsHeilmittel ausweiset, ich also nur bei einem einzigen genöthigetbin, mehre Probemittel zu reichen.

Nun wende ich mich zu der zweiten praktischenFolgerung. Da die wahre Erkenntniss der Krankheit nurdurch Probearzeneien kann erlangt werden, so ist es ganzoffenbar, dass wir höchst unklug handeln, unsern besten heil-meisterischen Vortheil schwachköpfig aus den Händen geben,wenn wir solche Arzeneien anwenden, welche, feindlich denOrganismus angreifend, eine neue künstliche Krankheit erregen.Die nicht selten lang anhaltende feindliche Wirkung solcherArzeneien muss ja weit eher die Erkenntniss der Krankheiterschweren, ja unmöglich machen, als befördern. Die Sachescheint mir wirklich so sehr einfach, so in die Augen fallend,dass ich einen rechten Schulmeistersinn verrathen würde, wennich sie weitläufig auslegen wollte. Freilich befinde ich. michmit dem Geiste unserer Zeit in Obstand; das hat aber nichtszu bedeuten. Der Zeitgeist ist ein wandelbarer, sperrigerGeist, der, wie wir alle aus der Geschichte wissen, oft genugdem gesunden Verstände und der unzweifelhaften Erfahrungwidersprochen hat.

Dritte praktische Folgerung. Da wir nur durcheinen Probeprozess die Natur der Krankheit, zuweilen auchdie Form nur durch ihn erkennen können; die von dem äusserenEinwirkenden und von den Krankheitszufällen entnommenenGründe der Wahrscheinlichkeit, die dazu dienen sollten, denProbeprozess abzukürzen, zuweilen gerade zum Gegentheile,zur Verlängerung desselben führen, denn das Wahrscheinlichsteist ja mitunter unwahr und das Unwahrscheinlichste wahr:so ist es ganz offenbar, dass, in einzelnen Fällen, Krankheiten,deren Natur wir probend erforschen, deren Heilmittel wir alsonoch nicht keimen, sich selbst überlassen verschlimmeren müssen,und da eine Krankheit, welche verschlimmert, auch in das