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doch nicht. So erinnere ich mich, dass vor ungefähr 36 Jahrenzwei Arbeiter von dem Dache des sogenannten Herrenhauseseiner adlichen Frauenabtei stürzten, und nicht allein nichtdurch diesen Sturz getödtet wurden, sondern mit ein paarunbedeutenden Quetschungen davon kamen. Da sie aber beimHinunterstürzen auf die Zweige eines vor dem Hause stehendenBaumes gefallen waren, so machte man flugs die Erklärung,die Gewalt des Sturzes sei durch dieses augenblickliche Hin-demiss gebrochen. Im Grunde war es aber eine alberne Er-klärung des Unerklärlichen, denn der Baum selbst war so hoch,dass ein Sturz von demselben auf den gepflasterten Grundmehr als hinreichte, einen Menschen zu zerschellen. Abervor allen Häusern, aus deren Fenstern, oder von deren Dächernsolch glückliche Luftfahrten gemacht sind, Jiaben nicht immerBäume gestanden. Ich halte es jedoch für unschicklich, der-gleichen Erzählungen, welche jeder meiner Leser, der dieBekanntschaft vieler Menschen aus verschiedenen Gegendengemacht hat, so gut als ich, aus glaubwürdigem Munde wirdgehört haben, nachzuerzählen; zumahl, da unsere Literaturja auch ähnliche aufzuweisen hat.
Wem solche Thatsachen die ärztliche Ursachsucherei nichtals einen wahren Aberwitz anschaulich machen, der muss wahr-lich ganz vernagelt im Kopfe sein. *)
*) Solche Thatsachen sind aber auch in einer anderen Hinsicht belehrend.Bekanntlich sind früher die Philosophen nicht einig gewesen, ob das Ur-sachlichkeitsurtheil ein dem Menschen angeborenes, oder durch Erfahrungerworbenes sei. Wie es jetzt um diesen philosophischen Zwiespalt aus-sehen mag, weiss ich nicht, denn ich habe seit länger als zwanzig Jahrenkein philosophisches Buch in den Händen gehabt. Ich glaube, dass manbei einer solchen Meinungsverschiedenheit am klügsten handelt, den Wegder Beobachtung einzuschlagen, auf diesem kommt man der Wahrheit ge-wöhnlich am nächsten. Ob andere Menschen diese Wahrheit anerkennen,daran ist mir wenig gelegen, denn ich habe all mein Leben weit mehrdaä Bedürfniss gefühlt, mich selbst, als andere zu belehren. Wenn ichnun den erzählten Fall, oder einen ähnlichen erwäge, und dabei auf denVorgang in meinem Kopfe achte, so werde ich gewahr, dass ich ganzunwillkürlich an ein Etwas, die Gefährlichkeit und Tödtlichkeit des Sturzesaufhebendes denken muss, obgleich ich mir gleichzeitig bestimmt sage,dass in dem Tliatsächlichen ein solches Etwas gar nicht zu entdecken sei.