Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
190
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

— 190 —

sprochen war, auch wol die Aerzte getäuscht haben. Wennich gleich bis jetzt noch nie gesehen, dass die Kinder in denguten Zeiträumen spielten, so waren sie doch unverkennbarwohler, als sie es hätten sein können, wenn sie an einer Ur-affektion des Gesammtorganismus gelitten. Diese Beobachtunghat mich schon längst auf den Gedanken gebracht, man würdewol die Heilung am sichersten erzielen, wenn man das Luft-röhrenleiden als eine rein örtliche Entzündung, und das Fieberals ein bloss consensuelles ansähe. Was helfen aber guteGedanken, wenn man keine gute Mittel kennet, durch welchesie können zur Ausführung gebracht werden? Was nutzenQuecksilbereinreibungen und Blutegel bei einer so schnell ver-laufenden Krankheit? — Ich bin in jüngeren Jahren wol eineben so tüchtiger Quecksilberarzt gewesen als einer meinerjetzigen Zeitgenossen, wiewol ich bekenne, dieses Allheil wederbeim Morbo haemorrhagico maculosa, noch den Lungensüchtigenin Agone mortis gegeben zu haben. Ich weiss recht gut, dassbei örtlicher Entzündung der Mandeln Quecksilbereinreibungenerst den dritten Tag ihre wohlthätige Wirkung auf die ent-zündeten Mandeln äussern, und weil ich in meiner Jugendselbst, wie manche junge Leute, oft von dieser Plage heim-gesucht wurde, weiss ich eben so gut, dass ich mir meinenHals weit gründlicher verquickt habe, als die Hälfte der Mütteroder Wärterinnen es den croupkranken Kindern thun werden;aber gerade die an meinem eigenen Halse gemachte Erfahrunghat mich schon früh mit grossem Misstrauen gegen die an-geblich schnelle Heilwirkung dieser Einreibungen bei der Anginamembranacea erfüllet.

Was die Blutegel betrifft, so kann ich eben so wenig denübergrossen und überschnellen Nutzen derselben bei allen ört-lichen Entzündungen anerkennen, wiewol ich zulasse, dass siebei Uebung der Kunst zu manchen Zwecken nicht bloss gut,sondern selbst unentbehrlich und unersetzlich sind.

Mit dem besprochenen Gegenstande ist folgender ganznahe verwandt. Wir sehen, dass Eiterung gewöhnlich eineFolge der Entzündung ist, sind darum geneigt zu glauben,