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2 (1847)
Entstehung
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reden. Ich habe, so lange ich Arzt gewesen, mit einer be-sonderen Krankheit desselben nie zu thun gehabt. Bei An-ginen, wenn sie nur einigermassen ernsthaft sind, ist bekannt-lich das Velum palatinum, mithin auch der Zapfen entzündetund geschwollen. Letzter wird aber mit dem Gaumen undMandeln zugleich gesund. Dass er zuweilen, wahrscheinlichdurch chronische Entzündung, sich verlängert, und bedeutendverlängert, habe ich bloss gelesen, nie selbst gesehen,*) ichweiss auch, dass man in alten Zeiten ein besonderes Instru-ment erfunden hat, den verlängerten zu kürzen. Das warenaber doch nur seltene Fälle. Wie kommt es denn, dass dasVolk immer vom geschossenen oder gefallenen Zapfen spricht?Wo ich in meinem Leben seit Kindesbeinen gewesen, habeich davon gehört. Da ich zuerst mich hier niederliess, sagtenmir die an Angina Leidenden, wenn ich wegen der hoch ge-steigerten Entzündung sie fragte, warum sie doch nicht zei-tiger die Kunst in Anspruch genommen: sie haben anfänglichgeglaubt, der Zapfen sei ihnen bloss geschossen. Durch dieLänge der Zeit ist in meinem Wirkungskreise das Zapfenschiessenmit anderen Albernheiten aus der Mode gekommen.

Ich habe in meinem Leben von allerlei Volksmitteln

*) (Zusatz vom Jahre 1841.) Seit ich Obiges geschrieben, sind mirzwei Fälle von Urleiden des Zapfens, welches sich als merkliche Verlän-gerung dem Auge darstellte, vorgekommen. Da beide Fälle aber neuwaren, so heilten sie sich durch ein Gurgelwasser von Alaun gar bald.Ich begreife aber, dass eine- solche Zapfenverlängerung, wenn sie durchVernachlässiguug zum eigentlichen chronischen Uebel geworden, andereHülfen nöthig machen kann. Aus den zwei Fällen, welche ich gesehen,bei denen das Gaumsegel gar nicht betheiligt war, wo sich der verlän-gerte Zapfen in einem sieht- und fühlbaren Zustand der Erschlaffung be-fand, muss ich schliessen, dass nicht leicht jemand dieses Uebel vernach-lässigen wird, denn nach der Aussage beider Betheiligten, ist es ein sehrlästiges Ding, sie hatten immer ein Gefühl, als stecke ihnen ein Brockenim Schlünde, den sie hinunter schlucken müssten. Es ist möglich, dassdiese Krankheit des Zapfens früher viel häufiger gewesen als jetzt, unddass daher die Volksrede vom geschossenen Zapfen stammt; sind dochauch andere Krankheiten, die früher häufig erschienen, jetzt selten ge-worden, ja fast ganz verschwunden, z. B. das Frieselfieber und das Po-dagra; hingegen kommen Urherzleiden, Hämorrhoiden der Blase und dieunglückliche Dysphagie mir jetzt weit häufiger vor als früher.